Montag, 5. Mai 2014

Ganzheitlichkeit vermeiden

Leider ist es immer noch nicht vollends aus der Welt geschafft, das sogar akademische Geschwätz von der „Ganzheitlichkeit“. Für Studentinnen und Studenten, die sich z.B. in einer wirtschaftswissenschaftlichen Abschlussarbeit damit quälen, dass ihnen diese Worthülse unsympathisch ist, weil zu esoterisch, allzu nichtssagend oder einfach nur, weil sie guten Sprachgeschmack unterstreichen möchten, kann ich folgende Formel vorschlagen:
Als approximatives Ideal, einen Menschen in seiner ganzen Existenz wahrnehmen zu wollen, tendiert die Rede von der Ganzheitlichkeit zur Überforderung aller Beteiligten, selbst wenn der esoterische Beiklang des Worts unberücksichtigt bleibt. „Komplexitätsangemessenheit“ dient hier als weniger anspruchsvolles Synonym, für jene Interaktionsformen, die sich an menschlich und professionell leistbaren Bemühungen hinter „Ganzheitlichkeit“ verbergen mögen.
Ich denke, dass man damit arbeiten kann.

Martin Rath