Donnerstag, 5. Dezember 2013

Komische Reichsbanner-Dichtung

„Schwarz-Rot-Gold sin unser Farwe, / sie vereih'n uns Kraft un Mut, / die for Recht un Freiheit starwe / schätze merr als hechstes Gut.“

Erste Strophe des Willkommensgedichts von Adolf Stoltze (er?), Ehrenmitglied im Ortsverband Frankfurt am Main des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, abgedruckt auf S. 5 einer Festschrift zum 80. Jubiläum der Revolution von 1848.

Die 1928 veröffentlichte Broschüre, die vorwiegend aus Reklame für die (teils genossenschaftliche) Unternehmerschaft Frankfurts besteht, wirkt auch sonst, als sei sie von der „Titanic“-Redaktion gestaltet worden.

Die Papierqualität spricht zwar dagegen, aber dieses Gedicht! Man muss vielleicht die Geschichte der Neuen Frankfurter Schule neu schreiben. Von einem Adolf Stoltze, den man wohl als Vordichter von Henscheidt, Henschel & Sonneborn - wenn nicht Gernhardt & Bernstein - nennen muss, habe ich jedenfalls bis heute nichts gewusst.

Martin Rath




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