Mittwoch, 30. Januar 2013

Political correctness

Political correctness, die [politische Korrektheit] - femininum, esotericum. Redefigur, mit der meist eingewandt wird, eine Aussage lasse sich nicht treffen, weil sie von anonymen, jedenfalls selten namentlich bezeichneten Teilnehmern einer oft gar nicht klar auszumachenden Debatte als inkorrekt denunziert werde.
Die Behauptung, dass ein Redetabu existiere, dient regelmäßig feigen Debatten-Darstellern dazu, nicht positiv Stellung zu beziehen: Ich sage nicht, dass ein definierter Missstand in Person oder Sache besteht, ich behaupte nur, dass man nicht offen darüber reden könne (und bin insgeheim natürlich der Auffassung, dass die Welt in Gestalt von Person oder Sache böse ist). 
Kindergarten-Insassen sind ehrlicher: Statt zu sagen „Man darf ja heute nicht mehr sagen, dass X ein Stinker ist, weil Y das für politisch inkorrekt hält“, sind die kleinen Pfurzknoten  im Sandkasten so ehrlich zu behaupten: „X stinkt.“.

Weiterführender Beitrag hier.

Dienstag, 29. Januar 2013

Leicht anachronistisch?

Gestern lief auf Deutschlandradio Kultur ein Krimi-Hörspiel, das ich nicht ganz hören konnte, weil ich zwischendurch einschlief.
Das sagt wenig über das Stück, mehr über meinen Erschöpfungszustand, ich erwähne das nur, damit man das folgende Urteil etwas abdiskontieren kann.

„Ich bin ein Schweinehund, das ist gar nicht auszudenken!“ bildet das Verhör eines sogenannten gewöhnlichen Kriminellen unter den Bedingungen des NS-Staats ab. August Eckert hatte Vera Korn und ihre Tochter Eva getötet, die Frau hatte als Jüdin unter ihm Zwangsarbeit leisten müssen, der Mord geschah in persönlicher Verstrickung.

An sich ein guter Ansatz und eine wirklich interessante Geschichte, zumal der verhörende Polizist, Rolf Holle, keinesfalls zu den unfreiwillig-freiwilligen SS-Leuten der deutschen Polizei zählte (wie man es für einen Gutteil der Ordnungspolizei annehmen darf) und nach dem Zweiten Weltkrieg beim Bundeskriminalamt Karriere machte.

Ein wenig gestört, in dem, was ich mich erinnere, waren die wohl echten Anachronismen („informieren“) und die vermutlichen (ob der Beschuldigte beim Anreden stets das „SS“ vor dem „Hauptsturmführer“ so betonte, wie er es im Hörspiel tat, scheint mir fraglich). Jedenfalls würde ich in der Ankündigung des Hörspiels ein Wort nur sehr gedehnt aussprechen: Rekonstruktion des Verhörs.

Wie dem auch sei. Ein Alptraum. -ky hat sich schon mit der Verfolgung der gewöhnlichen Kriminalität im NS-Staats befasst. Das Buch sowie die schon in den 1940er-Jahren geschriebene, antiquarisch erworbene Popularisierung des -ky-Falls liegt schon seit einer kleinen Ewigkeit auf meinem Stapel ungelesener Bücher.
Weil es wohl Alpträume macht.

Freitag, 11. Januar 2013

Politiker macht Presse, weil er mal einen Brief schreiben könnte


Ja, ja. Die Kunst dies Briefeschreibens wird ja keinesfalls treulich gepflegt, aber warum man einem ehemaligen Polizeidirektor so barsch kundtun muss, dass man ihn nicht für einen homme de lettres hält:
„'Das Image Kölns wird in den Schmutz gezogen': Mit deutlichen Worten hat CDU-Fraktionschef Granitzka die RTL2-Soap 'Köln 50667' kritisiert. Nun will er der Sendeleitung einen Brief schreiben. Die SPD sieht das Vorhaben eher skeptisch.“
Ohne den Satz hätte ich den Artikel nicht gelesen: "Die SPD sieht das Vorhaben eher skeptisch." Prrrr. Lehrerpartei, prrrr.

Ey. Isch schreibma n Brief wegen die Scheise im Fernsn. - Ey Aalda. Lass stecken.

Remission accomplished.


Dienstag, 8. Januar 2013

Lebenslauf (1930) Dr. Marcel Frenkel 1907-1960


Lebenslauf.
Am 24. Mai 1907 wurde ich zu Berlin geboren. In Düsseldorf besuchte ich die Vorschule und die Unterklassen bis einschließlich Quarta des Hohenzollerngymnasiums. Ich wurde dann in das Realgymnasium der Hindenburgschule Düsseldorf umgeschult, wo ich die Klassen Unter- und Obertertia besuchte. Im Jahre 1923 verließ ich dann die Schule, um in die kaufmännische Lehre zu gehen.
Nebenberuflich bereitete ich mich aber für die Obersekundareife und die Reifeprüfung vor und bestand beide in den Jahren 1923 und 1926 an der Lessingoberrealschule in Düsseldorf. Im Jahre 1928 bestand ich die Ergänzungsprüfung im Lateinischen an dem Gymnasium an der Dötschstraße in Bonn. Meine Immatrikulation erfolgte im Sommersemester 1926 an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln, meine erste Immatrikulation an der rechtswissenschaftlichen Fakultät im Wintersemester 1926-27 an der Universität Berlin. Außerdem studierte ich noch an der Universität Bonn. Im Oktober 1929 bestand ich die erste juristische Staatsprüfung in Köln. Seit November 1929 bin ich Referendar im Bezirke des Oberlandesgerichts Düsseldorf.
Lebenslauf von Marcel Frenkel aus seiner
Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer Hohen Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, vorgelegt von
Marcel Frenkel,
Gerichtsreferendar aus Düsseldorf.

Verlag: Quakenbrück, Durck: Handelsdruckerei C. Trute, 1930. Die Arbeit über „Die Eidesdelikte im künftigen Strafgesetz“ führt  Prof. Bohne als Referent und Prof. Coenders als Korreferent auf, Tag der mündlichen Prüfung war der 14.2.1930.

Dr. Marcel Frenkel ist zurzeit nicht wikipedantisch erfasst, taucht lediglich als Randfigur auf im Artikel über den allerchristlichsten Minister Adolf Flecken:
„1950 entließ Flecken als neuer nordrhein-westfälischer Innenminister den Abteilungsleiter Marcel Frenkel. Frenkel war wichtigster Ansprechpartner der NS-Verfolgten auf der Ebene der Landesregierung. Er hatte sich zu Beginn der 1930er Jahre einen Namen als Verteidiger von NS-Gegnern gemacht. Er floh, da er jüdischer Herkunft war, in die Niederlande und schloss sich dort einer kommunistischen Widerstandsgruppe an. Mehrfach entging er knapp einer Deportation und verlor zahlreiche Familienangehörige in den Konzentrationslagern. Nach Kriegsende war er zunächst juristischer Berater der Vereinigung deutscher und staatenloser Antifaschisten (VDSA), bevor er nach Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen als Leiter der Abteilung Wiedergutmachung in das Landesinnenministerium übernommen wurde. Flecken nahm die politische Tätigkeit von Frenkel als „Betätigung gegen die demokratische Grundordnung“ zum Anlass, den ihm politisch unliebsamen Frenkel aus dem Dienst zu entfernen. Das Verfahren wurde bis zum Tod Frenkels 1960 nicht abschließend entschieden.“ 

Gesichert/ungesichert: Dr. iur. Marcel Frenkel, *24.05.1907 bis Y1960.

Rinks und lechts:

Martin Rath








Sonntag, 6. Januar 2013

verlog

In der Bildunterschrift und im Fließtext zum Dreikönigstreffen der F.D.P. übt sich der FAZ-Autor in einer selten zu sehenden grammatischen Wendung:
„Wir sind ein sympathischer Haufen von Freidenkern“, verlog Rainer Brüderle am Sonntag das Binnenklima im FDP-Präsidium.
Ich verlinke das hier einmal, mal schauen, ob und wann jemand über die Grammatik oder Freizügigkeit des Urteils stolpert.