Freitag, 31. August 2012

Den deutschen Staat lieben

Der Staat lernt meine Braut kennen, erklärt sie für persönlich frei und pudert sie in seinen Forschungsstätten. 
schreibt ein österreichischer Künstler. Bedenkt man, welche Bedeutung der Österreicher damit seinem Staat beimisst, darf man sich glücklich schätzen, in Deutschland zu leben.

Das intimste Körperteil, an das der Staat hierzulande will, ist immer noch das Portemonnaie.


Sonntag, 19. August 2012

Neologismus: Alpöhitum

Alpöhitum, das: Lebensform einer tut-so-also-ob-einsiedlerisch nonkonformen Art, die heute gerne auf Parkbänken in Großstädten gepflegt wird, also als Alpöhitum ohne Berge. Ob es auf Almen heute Öhis gibt, konnte bei Redaktionsschluss dieses Blogs nicht ermitteln werden. Jedenfalls kommen in nächtlichen Alpen bittere Greise dieser Sorte vor. Beim A. handelt es sich um eine der zahlreichen Inszenierungen neofranziskanischer Bedürfnislosigkeit; in ihrer gesellschaftsfähigeren Form als Punker mit Hund zu beobachten.  Vergleiche auch: Almöhi.

Mittwoch, 15. August 2012

Neologismus: Mordwalserei

Mordwalserei, die: nach Martin Walser benannter literarischer Vorgang, bei dem ein Autor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in einem literarischen Werk das Leben lässt.

Jüngstes Opfer ist offenbar Frank Schirrmacher, nachdem es zuvor Marcel Reich-Ranicki traf.

Als nächstes fällt wohl ein erzkatholischer *Hubertus Fischer antifaschistischen Jagdszenen in Berlin zum Opfer oder Jürgen Kaube fährt zu Bielefeld in den Himmel, um dort in einer schneidenden Frage die Ordnung wiederherzustellen.



Links:


Martin Rath




Montag, 6. August 2012


Heinrich Laubes Roman „Die Krieger“ im Zusammenhang mit der Polenbegeisterung um 1830. Inaugural-Disseration zur Erlangung der Doktorwürde der Hohen Philosophischen Faktultät der Philipps-Universität Marburg, vorgelegt von Olga Kuthe aus Wiesbaden, Marburg 1925

Wozu eine Dissertation aus dem Jahr 1925 lesen, ohne fachspezifisches Interesse mitzubringen?

Ich habe eher ein wenig geblättert, weil sie für meine kleine Literaturrecherche zum sogenannten Polenprozess, dem großen Terroristenprozess in Berlin, 1847, nicht direkt ergiebig war.

Interessant ist, dass Olga Kuthe eingangs den - für Germanisten vermutlich als Primärreferenz bis heute etwas windigen - Egon Friedell zitiert, um zu begründen, warum sie als Beispiele für die Begeisterung deutscher Literaten, die polnische National- und Freiheitsbewegung der 1830er-Jahre betreffend, auch Dichter zitiert, die ihrerzeit - 1925 - bereits weitgehend in Vergessenheit geraten waren.

Das dürfte inzwischen ein schönes, im besten Sinn interdisziplinäres Master- oder Doktorarbeitsthema sein: Warum Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich rechtfertigen, populäre, sekundäre oder - gemessen am hochliterarischen Kanon - zweitrangige Autoren als Quelle oder Referenz herangezogen zu haben.

Mir ist das sympathisch, weil diese Frage in einem der ersten wissenschaftlich zitierbaren Werke, die in meine Hände gerieten - 1986: Michael Salewskis „Zeitgeist und Zeitmaschine“ - ein wichtiger Punkt bei der Bestimmung der Perspektive war.

Für einen manchmal etwas schmalen Titanen des deutsch-polnischen Verhältnisses der Gegenwart, den Kabarettisten Steffen Möller, wäre das hier eine Fundgrube. Oder für Literaturwissenschaftler, die Stoff für ein Proseminar suchen.

Eine Kämmererstochter aus Biebrich am Rhein, die einen österreichischen Kabarettisten apologetisch zitiert und in der Phase des ekelerregendsten Nationalismus eine solche Dissertation vorlegt, nun, machen wir sie doch ein wenig anschlussfähig in den Zeiten des Internets:

Ich, Olga Kuthe, evg. Konfession, wurde am 12. September 1897 zu Biebrich am Rhein als Tochter des Stadtkämmerers Heinrich Kuthe geboren. Von Ostern 1904 bis Ostern 1914 besuchte ich das Lyzeum meiner Vaterstadt. Dann ging ich zur weiteren Ausbildung in der englischen Sprache nach England. Durch den Ausbruch des Krieges gezwungen, kehrte ich nach Deutschland zurück und trat im Herbst in das Oberlyzeum zu Wiesbaden ein. Dort bestand ich 1917 das wissenschaftliche Examen, und 1918 erhielt ich das Zeugnis der Lehrbefähigung. 1921 legte ich in Kassel eine Lateinprüfung (Latinum) ab. Mit verschiedentlichen Unterbrechungen meines Studiums war ich immatrikuliert bei der philosophischen Fakultät der Universitäten München und Marburg. Meine Fächer sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Ich hörte Vorlesungen und nahm teil an den Übungen der Herren Professoren: Borinski, Curtius, Deutschbein, Elster, Glaser, Heiler, Helm, Jaensch, Kutscher, Leonhard, Ludewig, Natorp, de Olea, Schick, Stephani, Strich, Viëtor, Vogt, Wechsler und Wrede.
Hiermit sage ich meinen verehrten Lehrern innigen Dank, zumal Herrn Geheimrat Prof. Dr. Ernst Elster, der mir mit Rat und Tat bei meiner Arbeit zur Seite gestanden hat.


Eigene Anschlüsse:

Martin Rath






Mittwoch, 1. August 2012

Vorschläge für Hautbeschriftung

Nein, wir sind kein Freund der beschrifteten Haut. Auch die floralen Muster, die derzeit äußerst großflächig durch die Fußgängerzonen zu Markte getragen werden, finden unser entschiedenes Missfallen. Da hatte ja selbst unsere letztüberlebende Großmutter mehr Geschmack: Derlei Omma-Muster hätte sie nicht an der Wohnungswand geduldet, geschweige denn in nackte Haut graviert.

Stoisch sein Konservativ sein, heißt immer an der Speerspitze des Fortschritts zu marschieren, hat bekanntlich Majestix in „Asterix und die Trabantenstadt“ gesagt oder war es des Edmund Stoibers Stefan Mappus' großes Vorbild, in ganz anderem Zusammenhang?

Wie dem auch sei. Was man nicht aufhalten kann, dem kann man zumindest entsprechenden Sinn unterlegen.

愚蠢的女人不感到疼痛
Yúchǔn de nǚrén bù gǎndào téngtòng


Man könnte einen dieser dämlichen Übungsfälle für Juristen daraus bauen: Eine ziersüchtige Weibsperson beauftragt ihren Stecher, rund elf chinesische Schriftzeichen in Raum zwischen Hirn und After zu platzieren. Der tut es, wählt aber statt irgendeines gewünschten hirnverbrannt-floralen Mao-Gedichts in fünffacher Verkitschung das oben zitierte Muster.

Wie sieht es mit seiner Strafbarkeit aus?