Dienstag, 24. Juli 2012

Biblisch beim ZDF? - Pustekuchen

Beim Lesen der Überschrift tritt das Bild vors geistige Auge: Blinde werfen ihre weißen Stöcke und verletzen, der ungewohnten Sehkraft wegen, versehentlich von jeher augenmächtige  Menschen.
Lahmen gerät der jauchzend geworfene Rollator zum dolusfreien Wurfgeschoss.
Der lügnerischen und bestechlichen Hauptfigur war der Schorf der teuflischen Fratze vom Gesicht gefallen, geheilt und geläutert - ihre greise und an Geist wie Körper geschlagene Zuschauerschaft jubelt darob und verletzt versehentlich mit dem Akt der Freude.

Natürlich geht es viel profaner zu, wenn im ZDF-Fernsehgarten Gewalt geübt wird und der Kölner Stadt-Anzeiger darüber berichtet. Ohne die harte Hand des Karnevalsregiments darf man Geblütskölner offenbar nicht auf die Menschheit loslassen. Die Neuigkeit minderen Gewichts will im Sommerloch berichtet sein.

Warum mir archaische Gedanken mit biblischen Assoziationen kommen? Überdosierte Kinderbibel, damals. Langweilig die Online-Zeitung von heute. Und vor dem ersten Kaffee ist der Gehirnkasten stets für archaischen Budenzauber zu haben.

Dienstag, 17. Juli 2012

Schwurgericht (noch ungelesen)

Konrad Spichartz' Schlußbetrachtung zum Schwurgericht, 1935

Zurzeit arbeite ich zu einem der ersten, wenn nicht dem ersten politischen Schwurgerichtsprozess in Deutschland, 1848/49. „Arbeiten“ ist vielleicht zu viel gesagt, man liest und schreibt im regensatten Sommerloch für Leser im triefenden Nass.

Die nebenläufige Grobrecherche im Bibliothekskatalog warf auch einen Titel aus jenen Jahren aus, in denen man unter Volksjustiz das Gegenteil von Rechtsstaat verstand, eine Dissertation von 1935.

Wie üblich, man schaut dann gerne einmal, was aus den feschen Doktoren jener Jahre geworden ist. Ein Kanzleigründer in der Nachbarschaft, in diesem Fall.

Seine 75 Seiten Dissertation sehe ich mir nun einmal an, mal schauen, ob sie Recht besudelt oder nur mit zeittypischer Garnitur verziert ist.

Sonntag, 8. Juli 2012

Hans Blumenberg „Quellen, Ströme, Eisberge“


Noch habe ich es nicht gelesen, gekauft habe ich es erst gestern, man mag mir die fehlenden Angaben zum Inhalt des Büchleins nachsehen.

Für den Schutzumschlag macht Suhrkamp den berühmten Willy Fleckhaus haftbar, der 1983 starb, also mit dem kurzen Eintrag - zu sehen unten rechts - vermutlich geehrt werden soll.

Angaben zum Verfasser der im Buch gesammelten Notizen, Hans Blumenberg, finden wir hier oben rechts, geboren sei er am 13. Juli 1920 in Lübeck, was den bekannten Tatsachen entspricht. Und er „starb am 28. März in Altenberge“.

Das Jahr von Blumenbergs Tod, 1996, fehlt. Ich hoffe, die Schlamperei durchzieht nicht auch das Buch selbst. Vom Papier her sieht es ja gut aus und über die einigermaßen wertigen Pappumschläge der Bibliothek Suhrkamp regt sich heutzutage ohnehin kaum jemand auf.

Den Schutzumschlag hat Suhrkamp aber wohl von keiner Menschenseele nachsehen lassen.



Der Tag beginnt, was ich für einen Sonntag gar nicht liebe, unnachsichtig:


Martin Rath












Freitag, 6. Juli 2012

Deutsche lieben Merkel (DIE WELT online)



Über eine hier veröffentliche Umfrage setzt die WELT online die Überschrift
Die Deutschen lieben ihre Kanzlerin wie lange nicht
Mit Verlaub, nichts gegen Groupietum, aber wenn ich von Liebe im Zusammenhang mit Berufspolitikern lese,  überkommt mich die Sarkasmusfee.

Schlage vor, Patrick Süskind macht mal was mit Pastor Gauck und Bundeskanzlerin Merkel. Der Bundespräsident wurde ja jüngst wegen ein paar Sponsoring-Absagen bejubelt, als trüge er rotes Cape über blauem Strampelanzug.

Das riecht mir doch alles sehr nach jenem Wässerchen, dass sich Patrick Süskind damals ausgedacht hat.

Montag, 2. Juli 2012

Elsass-Lothringen, 1871 bis 1918/19

Auf der eher vergeblichen Suche nach weiterführenden Hinweisen zu einem Hochverratsfall im deutschen Reichsland Elsass-Lothringen schaute ich auch eine ganze Anzahl von Dissertationen aus den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg durch, die sich mit einem Modethema befassten: der Stellung des Reichsstatthalters und der staatsrechtlichen Stellung dieses Territoriums im Deutschen Reich.

Bevor sich die schmalen Heftchen, die damals zur Konfirmation des Geistes angefertigt wurden, wieder auf den Rückweg in die Bibliothek machen, notiere ich hier nur die bio- und bibliografischen Daten.


Lebenslauf. Ich, Jeremias Michael Levy, bin geboren am 20. Juli 1889 zu Oberseebach als Sohn des Metzgermeisters Salomon Levy und dessen Ehefrau Octavie, geb. Cahen. Ich bin elsaß-lothringischer Staatsbürger jüdischen Glaubens. Mit 12 Jahren trat ich in das Gymnasium zu Weißenburg ein, siedelte 1904 nach dem Gymnasium zu Buchsweiler über, wo ich Michaelis 1909 mein Reifezeugnis erhielt. Nachdem ich 5 Semester die Staatswissenschaften an der Universität Berlin studiert hatte, wurde ich im Sommer 1912 als Nationalökonom an der Universität Erlangen inscribiert, wo ich am 23. Juli 1912 mein Doktorexamen bestand.
Jeremias Levy.
„Das Oktroi in Elsaß-Lothringen“, Diss. Erlangen, gedruckt 1913, Dekan war Geheimrat Professor Dr. Varnhagen, Referent Geheimrat Professor Dr. v. Eheberg.

Die weitere Dissertation mit Nachweisen:

Ich, Max Rosenfeld, wurde als Sohn des Kaufmanns Imanuel Rosenfeld in Grailsheim (Württemberg) am 17. April 1890 geboren. Nach Absolvierung der Oberrealschule zu Schwäb.-Hall im Jahre 1909 und der Ergänzungsprüfung in der lateinischen Sprache am Realgymnasium zu Stuttgart im Jahre 1910 besuchte ich 3 Semester mit dem Abschluß des Zwischenexamens die Erlanger Universität. Vom Sommer-Semester 1911 bis zu dem abschließenden Winter-Semester 1912-13 studierte ich in Berlin.
„Elsaß-Lothringen als Reichsland“, Diss. Greifswald, gedruckt 1916, Referent Professor Dr. Hubrich

Ohne biografische Daten:

Carl Klute: „Die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und des Kaiserlichen Statthalters von Elsass-Lothringen, Diss. Straßburg 1913, gedruckt 1913 in Hagen, Referent Prof. Dr. Laband

Rudolf Weyrich: „Die staatsrechtliche Stellung des Statthalters in Elsass-Lothringen und des Staatssekretärs“ Diss. Straßburg, gedruckt 1911, Referent Prof. Dr. Rehm

Wozu diese Dokumentation?

Vielleicht haben Familienforscher ihre Freude an den biografischen Angaben. Im Übrigen könnte man, wenn man zur Geschichte des akademischen Ab- und Aufschreibwesens arbeitet, diese juristischen Dissertationen, die ein 1918/19, spätestens aber 1945 abgeschlossenes Studiengebiet abdecken, einmal nach allen Regeln der epistemologischen Kunst prüfen.

Das dürfte es dann aber fast schon gewesen sein.

Nun zu den Lebenden:


Martin Rath











Sonntag, 1. Juli 2012

Weisband

Heute bin ich in Tim Weiners CIA-Geschichte über den Namen William Wolf Weisband gestolpert, der für das Scheitern der US-Überwachung des sowjetisch-chinesischen Nachrichtenaustauschs im Koreakrieg verantwortlich gemacht wird - mit fatalen Folgen für die US-Truppen.

Weisband“, das muss nichts heißen. Ich dachte nur für einen Augenblick an einen etwas eitlen Menschen, der mich einmal über die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen dem französischen Kardinal und dem Frankfurter Historiker Lustiger meinte belehren zu müssen - ein häufiger Name, das sei Zufall.




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