Dienstag, 12. Juni 2012

Widerwärtig

Dieter Schenk: „Hans Frank“ Hitlers Kronjurist und Generalgouverneur, Frankfurt am Main (Fischer) 2008, 486 Seiten

Man erkennt die schmierige Doppelmoral heutiger rechtsextremer Herrschaften wieder. Der Mann war so widerwärtig, dass ihn die Alliierten nicht hätten hinrichten brauchen: Er hätte der deutschen Nachkriegsgesellschaft nicht gefährlich werden können. (Aus der Rückschau der vielleicht am besten vertretbare Grund für die Todesurteile von Nürnberg.)

Das vorliegende Buch ist einer der unkonventionellen Titel der bewährten schwarzen Reihe des Fischer-Verlags. Geschrieben hat es ein dissidenter Kriminalpolizist des Bundeskriminalamts, was an einer Reihe moralischer Wertungen zwischen den Sachdarstellungen zu bemerken ist. Das mag den Leser stören, ich empfand es als grenzwertig.

Gewünscht hätte ich mir mehr Auskunft über die Bemühungen des Münchener Kardinals Faulhaber, den frisch zum Katholizismus konvertierten Frank vor dem Galgen zu bewahren - und über die Aufnahme seines apologetischen Buches in der Nachkriegsgesellschaft (Benediktiner lasen es beim Abendbrot, wer aber war der Richter des Bundesverfassungsgerichts, der es lobte?).






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