Samstag, 16. Juni 2012

Musste man den Mann wirklich gelesen haben?


Joachim Lottmann | Auf der Borderline nachts um halb eins. Mein Leben als Deutschlandreporter | Kiepenheuer & Witsch | Köln 2007 | 270 Seiten

Habe ich die Zeit um die Jahrhundertwende gnädig verschlafen? In meinem Mediennutzungsverhalten war das wohl so. Überblättre gerne, was „angesagt“ ist. Schieße ja selbst auf jeden, der mich „kreativ“ nennt und bleibe konservativ in meinen Lektüren.

Den Lottmann muss ich darum stets ignoriert haben. Las nun Beiträge, die mir den Sinn der Honorarverfügungsberechtigten ins Metaphysische entrücken. (Kein Wunder, dass Matthias Matussek dem lieben Gott aufs kahle Hinterhaupt schaute und ihm die Zeitläufte erklärte. Wenn solche Leute Verantwortung haben, beginnt es in preußischen Gräbern flächendeckend zu rotieren.)

Allein nur dieses Stück, in dem der Lottmann die sexuellen Qualitäten der Ariane Sommer vorführt. (Oder bemutmaßt, das muss der sogenannte Borderlinejournalismus sein.) Um sich dann in Andeutungen zu ergießen. Man mag dergleichen vorzeitige Seniorenpornografie nennen. Das wurde gedruckt, gelesen. Es wurde honoriert (welch' Ehre).

Der Rest vom Buch scheint nicht besser zu werden.

Bin nicht neidisch, unter keinem denkbaren Gesichtspunkt, nur verwundert.



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Martin Rath






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