Dienstag, 19. Juni 2012

Dissertationen (halbwegs) frisch aus deutschen Landen

Ein bis zwei Mal im Jahr bin ich bemüht, aktuelle Dissertationen aus den Rechtswissenschaften in zumindest haarsträubend kurzer Form im Sonntagsfeuilleton von Legal Tribune Online vorzustellen. Im Mai geschah das in dieser Form.

Der Vorgang ist eher vom beschämenden Pragmatismus meiner Leseökonomie als von intersubjektiv höherwertigen Regeln gesteuert: Ich schaue, was die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln an aktuellen Doktorarbeiten im Bestand hat. Dazu sehe ich die Neuanschaffungslisten durch, die mir jeden Monat zugeschickt werden. Erfahrungsgemäß lassen sich fünf Arbeiten, für die ich mir jeweils mit der Sanduhr eine Stunde Zeit abmesse, im Lektürerafferverfahren so auswerten, dass ein zumindest grob wegweisender Artikel dabei herausspringt.

Ja, das ist schon rein arbeitstechnisch sehr defizitär. So defizitär, dass ich mir überlege, ob ich es so fortsetzen soll. Angesichts der schieren Masse an Dissertationen, die womöglich sogar in den Fachdiskursen nicht selten der wachen Aufmerksamkeit entgehen, müsste man sich Verfahren ausdenken, mit denen die Defizite fachinterner wie auch - in meinem Fall - fachfremder Aufmerksamkeit kompensiert werden können.

„Man müsste mal.“ - Ein schlimmes Pfui-Wort, das ich zuletzt in einer GRÜNEN-Ratsfraktion hörte und benutzte. Da war ich aber auch noch zwanzig Jahre jünger.

Heute aber ein fünffaches Pfui auf mich selbst. Denn diese fünf Schriften mit gebotener Aufmerksamkeit zu lesen (oder auch nur jener, die mir eine Stunde blauer Sand aus der Uhr zumäße), bekomme ich in meinen Kalender schlichtweg nicht mehr hineingepfercht:

Tobias Britz: Die Erhebung personenbezogener Gesundheitsdaten durch Versicherungsunternehmen bei Dritten gemäß § 213 VVG unter Berücksichtigung des Gendiagnostikgesetzes, Berlin (Logos Verlag) 2011,  Diss. Universität zu Köln (Professores Christian Rolfs & Katzenmeier) [Amazon]

Florian Handke: Die Effizienz der Bekämpfung jugendschutzrelevanter Medieninhalte mittels StGB, JuSchG und JMStV, Hamburg (Verlag Dr. Kovac) 2012, Diss. Universität zu Köln (Professores Peifer & Weigend) [Amazon]

Gregor Schroll: Der Einfluss interner und externer Faktoren auf die Effektivität der Kronzeugenprogramme der EU-Kommission und des Bundeskartellamtes, Frankfurt am Main (Peter Lang) 2012, Diss. Universität zu Köln (Professores Hanns Prütting & Ulrich Ehricke) [Amazon]

Peter Wende: Das Fremdbesitzverbot in den freien Berufen. Eine rechtsvergleichende Untersuchung bei Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Ärzten und Apothekern in Deutschland, England und Frankreich, Bonn (Deutscher Anwaltverlag) 2012, Diss. Universität zu Köln (Professores Martin Henssler & Barbara Dauner-Lieb) [beim Verlag]

Julian Wölfel: Die Sozialplanabfindung. Differenzierungskriterien und Ausgestaltungen, Frankfurt am Main (Peter Lang) 2012, Diss. Universität zu Köln (Professores Ulrich Preis & Barbara Dauner Lieb) [Amazon]

In Klammern sind jeweils Referent und Korreferent bei der „Konfirmation des Geistes“ genannt.

Selbstverständliches versteht sich leider nicht jedem von selbst. Dieser Tage fragte beispielsweise eine Kundin, ob ich als Korrektor ihren Text nur durch  die Korrekturfunktion meiner Textverarbeitung prüfen lassen würde, meine Konkurrenz gehe so vor. Ich durfte ihr mit bestem Gewissen händische Arbeit versichern. Mit guten Gewissen versichere ich daher eine Selbstverständlichkeit: Keine der genannten Arbeiten habe ich in meinem Beruf als freischaffender Lektor/Korrektor gelesen, keine der genannten Personen stand wegen dieser Dienstleistung in Kontakt zu mir. Was wohl nicht ehrenrührig ist, aber ich halte die Tätigkeiten sortenrein.

Meine journalistische Aufmerksamkeit wird auch nicht von Korrekturaufträgen gesteuert. Selbstverständlich, eigentlich.




Statt auf meinen übrigen Kommerz hinzuweisen, hier nur der Link auf eine meiner seltenen Fleißarbeiten beim Bloggen für Lau & Leserliebe:







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