Donnerstag, 28. Juni 2012

Haustürgeschäfte? Wir doch nicht!


Unseriös, mal anders.

Mutmaßliche RWE-Vertragsverkäufer an meiner Wohnungstür. Fragen, ob sie mal die Verträge einsehen könnten etc. Nach der Aussage, dass ich grundsätzlich keine Haustürgeschäfte abschlösse: „Ne, machen wir auch nicht.“ (Innerer Monolog: 'Schwachsinn, Junge - was tust du denn gerade?'). Gesprächsende von Seiten des Stromverkäufers: „Das wird mir hier zu unseriös.“

Letzteres finde ich amüsant. Ich beobachte das ja immer wieder gerne, wenn die Leute Parolen aus vorausgegangenen Gesprächen aufschnappen (die Unseriosität wird meinem Gegenüber wohl kürzlich jemand vorgehalten haben) und dann unpassend für sich in Gebrauch nehmen. Das  Amüsemang geht dem Ärger über die ziemlich penetrante und betrugsnahe Verkäufermasche vor, bei der quasi hoheitliche Zwänge zum Vertragswechsel vorgegaukelt werden.

Hätte ich nicht noch vom Zahnarzt einen hängenden Mundwinkel, wäre mir vielleicht noch eingefallen:  „Unseriös? Ich!? - Da haben Sie ja mal klar erkannt, wen Sie vor sich haben!
Aber aus dem Alter, mich über einen Mangel an Schlagfertigkeit zu ärgern, bin ich glücklicherweise heraus.

Sonntag, 24. Juni 2012

So, so am Sonntag - Oath of Allegiance

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von heute hinterlässt Volker Krause aus Arnsberg dem qualitätszeitungslesenden Universum die Botschaft, dass „alle Abgeordneten auf das GG geschworen“ haben (Nr. 23, Seite 34).

Herr Krause meint die Abgeordneten des Deutschen Bundestages.

Das ist natürlich Unsinn.Vereidigt werden Bundeskanzler und Bundesminister (Staatssekretäre vermutlich obendrein) sowie der Bundespräsident. Abgeordnete müssen (bzw. dürfen, im Fall des Ersatzmonarchen) dieselben nicht sein.


Hübsch fände ich jedoch, unabhängig von der Klugscheißerei (meinerseits), die Idee, Staats- und Verfassungsschutzämter personell und finanziell auszudünnen und stattdessen den Eintritt in die seriöse Politik tatsächlich mit einem Verfassungseid zu verknüpfen. Im Vereinigten Königreich bleiben gewählte Abgeordnete und Lords ja ausgeschlossen, solange sie ihren Treueeid nicht geschworen haben.

Das scheint mir doch ein ganz sinnvoller Exklusionsmechanismus zu sein, der vor dem Irrsinn extremistischen Bekennertums an der richtigen Stelle schützt, während er die Gesellschaft offener hält, als es der flächendeckende Betrieb von Gesinnungsprüfungsämtern vermuten lässt.

Dienstag, 19. Juni 2012

Dissertationen (halbwegs) frisch aus deutschen Landen

Ein bis zwei Mal im Jahr bin ich bemüht, aktuelle Dissertationen aus den Rechtswissenschaften in zumindest haarsträubend kurzer Form im Sonntagsfeuilleton von Legal Tribune Online vorzustellen. Im Mai geschah das in dieser Form.

Der Vorgang ist eher vom beschämenden Pragmatismus meiner Leseökonomie als von intersubjektiv höherwertigen Regeln gesteuert: Ich schaue, was die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln an aktuellen Doktorarbeiten im Bestand hat. Dazu sehe ich die Neuanschaffungslisten durch, die mir jeden Monat zugeschickt werden. Erfahrungsgemäß lassen sich fünf Arbeiten, für die ich mir jeweils mit der Sanduhr eine Stunde Zeit abmesse, im Lektürerafferverfahren so auswerten, dass ein zumindest grob wegweisender Artikel dabei herausspringt.

Ja, das ist schon rein arbeitstechnisch sehr defizitär. So defizitär, dass ich mir überlege, ob ich es so fortsetzen soll. Angesichts der schieren Masse an Dissertationen, die womöglich sogar in den Fachdiskursen nicht selten der wachen Aufmerksamkeit entgehen, müsste man sich Verfahren ausdenken, mit denen die Defizite fachinterner wie auch - in meinem Fall - fachfremder Aufmerksamkeit kompensiert werden können.

„Man müsste mal.“ - Ein schlimmes Pfui-Wort, das ich zuletzt in einer GRÜNEN-Ratsfraktion hörte und benutzte. Da war ich aber auch noch zwanzig Jahre jünger.

Heute aber ein fünffaches Pfui auf mich selbst. Denn diese fünf Schriften mit gebotener Aufmerksamkeit zu lesen (oder auch nur jener, die mir eine Stunde blauer Sand aus der Uhr zumäße), bekomme ich in meinen Kalender schlichtweg nicht mehr hineingepfercht:

Tobias Britz: Die Erhebung personenbezogener Gesundheitsdaten durch Versicherungsunternehmen bei Dritten gemäß § 213 VVG unter Berücksichtigung des Gendiagnostikgesetzes, Berlin (Logos Verlag) 2011,  Diss. Universität zu Köln (Professores Christian Rolfs & Katzenmeier) [Amazon]

Florian Handke: Die Effizienz der Bekämpfung jugendschutzrelevanter Medieninhalte mittels StGB, JuSchG und JMStV, Hamburg (Verlag Dr. Kovac) 2012, Diss. Universität zu Köln (Professores Peifer & Weigend) [Amazon]

Gregor Schroll: Der Einfluss interner und externer Faktoren auf die Effektivität der Kronzeugenprogramme der EU-Kommission und des Bundeskartellamtes, Frankfurt am Main (Peter Lang) 2012, Diss. Universität zu Köln (Professores Hanns Prütting & Ulrich Ehricke) [Amazon]

Peter Wende: Das Fremdbesitzverbot in den freien Berufen. Eine rechtsvergleichende Untersuchung bei Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Ärzten und Apothekern in Deutschland, England und Frankreich, Bonn (Deutscher Anwaltverlag) 2012, Diss. Universität zu Köln (Professores Martin Henssler & Barbara Dauner-Lieb) [beim Verlag]

Julian Wölfel: Die Sozialplanabfindung. Differenzierungskriterien und Ausgestaltungen, Frankfurt am Main (Peter Lang) 2012, Diss. Universität zu Köln (Professores Ulrich Preis & Barbara Dauner Lieb) [Amazon]

In Klammern sind jeweils Referent und Korreferent bei der „Konfirmation des Geistes“ genannt.

Selbstverständliches versteht sich leider nicht jedem von selbst. Dieser Tage fragte beispielsweise eine Kundin, ob ich als Korrektor ihren Text nur durch  die Korrekturfunktion meiner Textverarbeitung prüfen lassen würde, meine Konkurrenz gehe so vor. Ich durfte ihr mit bestem Gewissen händische Arbeit versichern. Mit guten Gewissen versichere ich daher eine Selbstverständlichkeit: Keine der genannten Arbeiten habe ich in meinem Beruf als freischaffender Lektor/Korrektor gelesen, keine der genannten Personen stand wegen dieser Dienstleistung in Kontakt zu mir. Was wohl nicht ehrenrührig ist, aber ich halte die Tätigkeiten sortenrein.

Meine journalistische Aufmerksamkeit wird auch nicht von Korrekturaufträgen gesteuert. Selbstverständlich, eigentlich.




Statt auf meinen übrigen Kommerz hinzuweisen, hier nur der Link auf eine meiner seltenen Fleißarbeiten beim Bloggen für Lau & Leserliebe:







Montag, 18. Juni 2012

Mit dem Ausriss auf der sicheren Seite

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verbirgt hinter ihrer Online-Bezahlwand einen Text, den sie in ihrer Ausgabe Nr. 66 vom 19. März 2003 abdruckte.

Ich habe die im überhaupt sehr bedeutenden Jahr 1971 formulierten „Zehn Gebote / 
Anweisungen zum deutlichen Schreiben“ von Hugh Trevor-Roper, eine großartige Zusammenfassung all dessen, was man sich von Angehörigen der schreibenden Zunft wünscht, als klassischen Zeitungsausriss in einem Aktenordner abgelegt.

Sagen wir es einmal so: Mit Interesse sehe ich, von wie vielen (halb-) staatlichen Institutionen und Berufsträgern der Text online verwertet wird. Ob da wohl stets die Verwertungskaufleute der F.A.Z.-Gruppe befriedigt wurden? Oder ob es beim humanistischen Stolz bleibt, diesem guten Text zur Verbreitung im deutschsprachigen Raum verholfen zu haben?

Trevor-Ropers Gebote gehören jedenfalls - neben Robert Gernhardts Verkündigung des elften Gebots (in diesem Buch) - in jeden intellektuellen Haushalt und ich bin, weiß Gott, sparsam mit Pflichtlektürebefehlen (spießig bin ich lieber anderswo). Vielleicht sollte, wer nicht mit einem Ausriss auf der sicheren Seite ist, die F.A.Z. hier einfach einmal mit 2,00 Euro subventionieren.


Personalproduktinteressen:

Martin Rath





Kleiner Wahnexorzismus:

Sonntag, 17. Juni 2012

Erlösung, das muss doch nicht sein


Ich würde ja schon dazu neigen, Menschen, die mir Erlösung versprechen, mit körperlicher Gewalt zu drohen. Dazu müssten die Bibelkundler an meiner Wohnungstür denn aber doch noch ein bisschen schmächtiger sein. Über die körperlichen Qualitäten der Phrasendrescher, die dank Rundfunkstaatsverträgen morgens mein Radio vollschleimen, weiß ich nichts, vermute aber, dass es sich um ältere Menschen mit weiteren Defekten handelt. Die schlägt man ja nicht.

Ach ja, ältere Menschen: Hans Ulrich Gumbrecht bloggt bei der FAZ unter anderem über den Gebrauchswert der Erlösungsphantasie für faschistische Bewegungen. Ein netter kleiner Beitrag.

Eine Frage hätte ich nur noch: Drischt man nicht im Zweifel stets auf jene Seelenaufkäufer, deren semantisches Vermögen angestaubt ist, wie eine alte Reklame? Bei Sonnenlicht (meine schwierigsten Chilisorten brechen gerade frisch durch den Boden, hurra, hurra, hurra), will ich mich dieser Frage aber nicht wirklich stellen: Ihr nachzugehen, das bedeutet wohl, einer kulturpessimistischen Paranoia zu folgen, die in der „Normalität“ der westlichen Zivilisation noch dialektisch böse Verheißungen aufspüren möchte.

Nun, es ist Sonntag.


+ + + + Nachtrag 18. Juni + + + +

So wie es hier Rechtsanwalt Gerd Meister beschreibt, kann man sich natürlich auch um die Erlösung herumdrücken. Aber wer will dafür eigens Jura studieren und sich mit dem „Kindergarten“ (RA G. Strate) der Juristerei, dem Strafrecht, vertrauter machen als es die Prüfungsordnung verlangt?

Samstag, 16. Juni 2012

Musste man den Mann wirklich gelesen haben?


Joachim Lottmann | Auf der Borderline nachts um halb eins. Mein Leben als Deutschlandreporter | Kiepenheuer & Witsch | Köln 2007 | 270 Seiten

Habe ich die Zeit um die Jahrhundertwende gnädig verschlafen? In meinem Mediennutzungsverhalten war das wohl so. Überblättre gerne, was „angesagt“ ist. Schieße ja selbst auf jeden, der mich „kreativ“ nennt und bleibe konservativ in meinen Lektüren.

Den Lottmann muss ich darum stets ignoriert haben. Las nun Beiträge, die mir den Sinn der Honorarverfügungsberechtigten ins Metaphysische entrücken. (Kein Wunder, dass Matthias Matussek dem lieben Gott aufs kahle Hinterhaupt schaute und ihm die Zeitläufte erklärte. Wenn solche Leute Verantwortung haben, beginnt es in preußischen Gräbern flächendeckend zu rotieren.)

Allein nur dieses Stück, in dem der Lottmann die sexuellen Qualitäten der Ariane Sommer vorführt. (Oder bemutmaßt, das muss der sogenannte Borderlinejournalismus sein.) Um sich dann in Andeutungen zu ergießen. Man mag dergleichen vorzeitige Seniorenpornografie nennen. Das wurde gedruckt, gelesen. Es wurde honoriert (welch' Ehre).

Der Rest vom Buch scheint nicht besser zu werden.

Bin nicht neidisch, unter keinem denkbaren Gesichtspunkt, nur verwundert.



Links:

Martin Rath






Donnerstag, 14. Juni 2012

Was stört an diesem Wort?

In einem Kommentarstrang, der keine böse Absicht vermuten lässt, taucht es heute auf, das Wort
Sonderbehandlungsdusche.
Mir scheint, mit etwas historischem Sprachgefühl, schenkt man sich solche Komposita.

Wem dieses Posting bis hierher ein Rätsel bleibt, braucht nur einmal diese drei Wörter zu googlen:
Michal Kula Duschen

Kalauer

Umgangssprachenphrasenvariation.
Butter bei die Fische.
Silikon bei die Haie Hai-Männer.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Sprachgelee

Bundespräsident a.D. Christian Wulff hat sich um den Sprachgelee verdient gemacht.

„Der Islam gehört zu Deutschland.“ - Dieser Satz ist in mindestens drei Dimensionen ein amorpher Quatsch. Der Islam ist im Zweifel amorph, ein Wechselbalg aus Normativität und Sozialität und Ethnizität, Intro- und Extrospektion, was man auch immer an Dimensionen des Amorphen ausmachen will. Deutschland ist amorph, sogar als geografische Entität, wenn man auf die erste Strophe der Nationalhymne (der Bundesrepublik wie jener der Niederlande) hört. Schließlich bleibt, was dem Ganzen den Gipfel aufsetzt, auch die deontologische Qualität des Verbs formlos: Ist es Zustandsbeschreibung oder Imperativ, ein Sollen, das aus dem Sein gegriffen wird?

Wie man den Satz dreht und wendet, er bleibt Quallendeutsch. Es steht zu befüchten, dass dieses Gelee noch oft an die Wand genagelt wird.

Dienstag, 12. Juni 2012

Widerwärtig

Dieter Schenk: „Hans Frank“ Hitlers Kronjurist und Generalgouverneur, Frankfurt am Main (Fischer) 2008, 486 Seiten

Man erkennt die schmierige Doppelmoral heutiger rechtsextremer Herrschaften wieder. Der Mann war so widerwärtig, dass ihn die Alliierten nicht hätten hinrichten brauchen: Er hätte der deutschen Nachkriegsgesellschaft nicht gefährlich werden können. (Aus der Rückschau der vielleicht am besten vertretbare Grund für die Todesurteile von Nürnberg.)

Das vorliegende Buch ist einer der unkonventionellen Titel der bewährten schwarzen Reihe des Fischer-Verlags. Geschrieben hat es ein dissidenter Kriminalpolizist des Bundeskriminalamts, was an einer Reihe moralischer Wertungen zwischen den Sachdarstellungen zu bemerken ist. Das mag den Leser stören, ich empfand es als grenzwertig.

Gewünscht hätte ich mir mehr Auskunft über die Bemühungen des Münchener Kardinals Faulhaber, den frisch zum Katholizismus konvertierten Frank vor dem Galgen zu bewahren - und über die Aufnahme seines apologetischen Buches in der Nachkriegsgesellschaft (Benediktiner lasen es beim Abendbrot, wer aber war der Richter des Bundesverfassungsgerichts, der es lobte?).






Donnerstag, 7. Juni 2012

Eingeschränkte Überlegenheit des Katholizismus


In meiner Scherzbeziehung zur heiligen, römischen, katholischen und apostolischen Kirche dokumentiere ich hier ja gelegentlich Belege für die unabweisbare Überlegenheit des Katholizismus über alle anderen, also falschen und profanen Lehren auf religiösem Gebiet.

Heute begann meinTag mit dem Radioprogramm von Deutschlandradio Kultur, das von Berlin aus gesendet wird und ein ganz gewöhnliches Wochentagsprogramm ausstrahlte. Dabei ist heute der höchst demonstrativ begangene Feiertag Fronleichnam.

Das erinnert daran, dass sich die zweifellose Überlegenheit in Deutschland nur sehr regional zeigt.

Kein Wunder, dass prominente deutsche Katholiken gelegentlich auswandern: