Donnerstag, 31. Mai 2012

Phrasenalarm: „tragisch“


Wohl wissend, wenn nicht wohlwissend, dass es gefährlich ist, im Rhein zu baden, vermutlich auch ohne zwingende, schicksalhafte Notwendigkeit, ins Wasser zu gehen, ist dieser Tage ein junger Mann im Fluss gestorben. Der Rhein hat seine Leiche von Bonn nach Köln getragen.

Traurig für die Angehörigen, kein Zweifel daran. Vielleicht auch traumatisch für die Auffinder an der Zoobrücke.

Aber warum ist das, der Zeitungsmeldung folgend, „tragisch“? - Es fehlt, wie oben angedeutet, an der dramatischen Fallhöhe. Es gab einmal die Geschichte von einem Mann, der ohne Geld durch Deutschland wanderte, begleitet von seinem Hund, und darüber eine anrührende Geschichte schrieb. Der Hund geriet später in die Emscher, der Mann wollte ihn retten. Der Mann ertrank, den Hund rettete die Feuerwehr. Das bin ich - vielleicht - bereit, tragisch zu nennen.

Jeden Unfall mit dem Adjektiv zu garnieren, das nenne ich kitschig.

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Martin Rath






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