Mittwoch, 30. Mai 2012

Hückeswagen, Hoffnung und Mahnung zugleich


Uwe Ufer ist Bürgermeister der Stadt Hückeswagen und hat etwas Großartiges beschlossen.

Hückeswagen, das müssen die auswärtigen Leser vielleicht so imaginieren, wie die Berliner sich Brandenburg vorstellen: Das Wort hat den Beiklang einer Weltgegend, in der sich an jedem Wochenende befruchtungswillige Jungbürger mit Hilfe ihrer Gölfe an Straßenbäumen zu schaffen machen, wo den Bauern der Nacken stierig und den Volks-und-Raiffeisen-Chefs die Geschäfte grundsolide geraten (außer beim Betriebsausflug mit der Sekretärin, die ihre Berufsbezeichnung dann zu Recht trägt).

Hückeswagen ist für die großstädtische Arroganz der Düsseldorfer oder Kölner oder Langenfelder nicht ganz allein verantwortlich, denn die Ortschaften dieser hügeligen Gegend tragen so hübsche Namen wie Wermelskirchen oder Radevormwald - oder auch Lüdenscheid, eine Stadt, an der das wohl urbanste der Name Müller ist.

Nun aber hat besagter Uwe Ufer, parteiloser Bürgermeister über die 16.500 Einwohner zählende Stadt (in Baden-Württemberg dürfte er sich bei dieser Größe vermutlich schon Oberbürgermeister nennen),  dem Kölner Stadt-Anzeiger ein Interview gegeben, das Hoffnung weckt, Hückeswagen könnte zum Vorbild für ganz Deutschland werden: Im Jahr 2013 sollte ein sogenannter „NRW-Tag“ in Hückeswagen stattfinden. Uwe Ufer hat die Veranstaltung abgesagt, weil die Sicherheitsstandards für ein Zusammenlaufen von einigen 10.000 Menschen nur zu unverhältnismäßigen monetären und sozialen Kosten einzuhalten gewesen wären.

Kaum scheint über Deutschland die Sonne, wälzen sich durch die Straßen und Gassen mit den ewiggleichen Fress- und Saufgelegenheiten leicht ungesund aussehende Menschen. Man nennt das wohl „Event“.

Möge Hückeswagen zum neuen Standard bürgerlicher Begegnungen bei Sommerwetter werden. Eine Kirmes und ein orgiastisches Schützenfest pro Saison sollten eigentlich reichen.

 Mehr mag man ja nicht sehen, wenn überhaupt so viel.



Rinks und lechts:
Martin Rath






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