Donnerstag, 31. Mai 2012

Phrasenalarm: „tragisch“


Wohl wissend, wenn nicht wohlwissend, dass es gefährlich ist, im Rhein zu baden, vermutlich auch ohne zwingende, schicksalhafte Notwendigkeit, ins Wasser zu gehen, ist dieser Tage ein junger Mann im Fluss gestorben. Der Rhein hat seine Leiche von Bonn nach Köln getragen.

Traurig für die Angehörigen, kein Zweifel daran. Vielleicht auch traumatisch für die Auffinder an der Zoobrücke.

Aber warum ist das, der Zeitungsmeldung folgend, „tragisch“? - Es fehlt, wie oben angedeutet, an der dramatischen Fallhöhe. Es gab einmal die Geschichte von einem Mann, der ohne Geld durch Deutschland wanderte, begleitet von seinem Hund, und darüber eine anrührende Geschichte schrieb. Der Hund geriet später in die Emscher, der Mann wollte ihn retten. Der Mann ertrank, den Hund rettete die Feuerwehr. Das bin ich - vielleicht - bereit, tragisch zu nennen.

Jeden Unfall mit dem Adjektiv zu garnieren, das nenne ich kitschig.

Links:

Martin Rath






Mittwoch, 30. Mai 2012

Hückeswagen, Hoffnung und Mahnung zugleich


Uwe Ufer ist Bürgermeister der Stadt Hückeswagen und hat etwas Großartiges beschlossen.

Hückeswagen, das müssen die auswärtigen Leser vielleicht so imaginieren, wie die Berliner sich Brandenburg vorstellen: Das Wort hat den Beiklang einer Weltgegend, in der sich an jedem Wochenende befruchtungswillige Jungbürger mit Hilfe ihrer Gölfe an Straßenbäumen zu schaffen machen, wo den Bauern der Nacken stierig und den Volks-und-Raiffeisen-Chefs die Geschäfte grundsolide geraten (außer beim Betriebsausflug mit der Sekretärin, die ihre Berufsbezeichnung dann zu Recht trägt).

Hückeswagen ist für die großstädtische Arroganz der Düsseldorfer oder Kölner oder Langenfelder nicht ganz allein verantwortlich, denn die Ortschaften dieser hügeligen Gegend tragen so hübsche Namen wie Wermelskirchen oder Radevormwald - oder auch Lüdenscheid, eine Stadt, an der das wohl urbanste der Name Müller ist.

Nun aber hat besagter Uwe Ufer, parteiloser Bürgermeister über die 16.500 Einwohner zählende Stadt (in Baden-Württemberg dürfte er sich bei dieser Größe vermutlich schon Oberbürgermeister nennen),  dem Kölner Stadt-Anzeiger ein Interview gegeben, das Hoffnung weckt, Hückeswagen könnte zum Vorbild für ganz Deutschland werden: Im Jahr 2013 sollte ein sogenannter „NRW-Tag“ in Hückeswagen stattfinden. Uwe Ufer hat die Veranstaltung abgesagt, weil die Sicherheitsstandards für ein Zusammenlaufen von einigen 10.000 Menschen nur zu unverhältnismäßigen monetären und sozialen Kosten einzuhalten gewesen wären.

Kaum scheint über Deutschland die Sonne, wälzen sich durch die Straßen und Gassen mit den ewiggleichen Fress- und Saufgelegenheiten leicht ungesund aussehende Menschen. Man nennt das wohl „Event“.

Möge Hückeswagen zum neuen Standard bürgerlicher Begegnungen bei Sommerwetter werden. Eine Kirmes und ein orgiastisches Schützenfest pro Saison sollten eigentlich reichen.

 Mehr mag man ja nicht sehen, wenn überhaupt so viel.



Rinks und lechts:
Martin Rath






Breschnew, Andropow etc.

Sollte bei der Kölner Sozialdemokratie die alte Regel der sowjetischen Staatsbegräbnisse gelten, dass zum nächsten Führer von Staat und Partei jeweils der Mann gemacht wird, der beim Trauerfall besonders hervorgehoben auftritt, könnte man aus dieser Sammlung von Namen in den Traueranzeigen für den verstorbenen Ex-Oberbürgermeister Dr. h.c. Norbert Burger herauslesen, was man will.

Für die zahllosen Feministinnen, die in dieses Blog schauen: Machtverhältnisse entlang der Frauen-Männer-Front bilden die Anzeigen übrigens auch sehr plastisch ab.

Dienstag, 29. Mai 2012

Noch ein Beweis für die Überlegenheit des Katholizismus

Wenn es auch ein indirekter Beweis ist, der sich in der Wikipedia findet, so darf man doch davon ausgehen, dass die nachfolgende Eidesformel schwer katholisch inspiriert ist:
„Wir schwören zu Gott dem Allmächtigen einen feierlichen Eid, Seiner Apostolischen Majestät, unserem Allerdurchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Franz Joseph dem Ersten, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Böhmen u.s.w. und Apostolischen König von Ungarn treu und gehorsam zu sein, auch Allerhöchst Ihren Generalen, überhaupt allen unseren Vorgesetzten und Höheren zu gehorchen, dieselben zu ehren und zu beschützen, ihren Geboten und Befehlen in allen Diensten Folge zu leisten, gegen jeden Feind, wer immer es sei, und wo immer es Seiner kaiserlichen und königlichen Majestät Wille erfordern mag, zu Wasser und zu Lande, bei Tag und Nacht, in Schlachten, in Stürmen, Gefechten und Unternehmungen jeder Art, mit einem Wort, an jedem Orte, zu jeder Zeit und in allen Gelegenheiten tapfer und mannhaft zu streiten, unsere Truppen, Fahnen Standarten und Geschütze in keinem Falle zu verlassen, uns mit dem Feinde nie in das mindeste Einverständnis einzulassen, uns immer so, wie es den Kriegsgesetzen gemäß ist, und braven Kriegsleuten zusteht, zu verhalten, und auf diese Weise mit Ehre zu leben und zu sterben. So wahr uns Gott helfe. Amen!“
Warum das ein Beleg für Überlegenheit sein soll? Na, glaubt denn jemand, man könnte heutige Rekruten (m/w) noch dazu bringen eine derart byzantinisch umrankte Formel zu beschwören? Rein memotechnisch schon ganz unmöglich?

Nein? Ja? Q.e.d.


Montag, 28. Mai 2012

Ach, Herr Kiesow - Sie haben es gut!


Rainer Maria Kiesow muss in einem seligen Windschatten des öffentlich-rechtlichen Güllesturms leben, denn er schreibt:
Aber es kommt noch besser: Irgendeine Christine Westermann – ich habe keine Lust auszugoogeln, wer das ist – hat geschrieben, so zitiert es Suhrkamp mitten auf der Seite aufgepoppt, CW also meint: „Andrej Longo schreibt beeindruckend, erzählt beinahe poetisch ...“. Die Pünktchen (nochmal Adorno!) sind von Westermann (oder Suhrkamp). 

Links:

Martin Rath








Norbert Burger, viel betrauert


Glaubt man einer Notiz von Pascal Beucker und Frank Überall, war Norbert Burger, der jüngst verstorbene Ex-Oberbürgermeister von Köln, (Ehren-) Mitglied von über 100 Vereinen. Anlässlich seines 70. Geburtstags zeichneten sie ein freundliches Bild der höchst verstrickten SPD-Persönlichkeit.

Ich habe mir aus Anlass des Todesfalls und der öffentlichen Trauer noch einmal über drei Aspekte, die mir zu diesem großen Verstorbenen in den Sinn kamen, Gedanken gemacht.
Erstens, diese Sache in meiner Nachbarschaft: An der Keupstraße steht ein Haus des Arbeiter-Samariter-Bundes, eines Pflege-, Rettungsdienst- etc.-Dienstleisters, der mit der SPD verbandelt ist. Es war schon vor dem Tod Burgers nach ihm benannt. Bis es mir zum ersten Mal ins Auge stach, dachte ich doch, es sei eine in Deutschland seit 1945 gepflegte Tradition, keine Straßen oder Gebäude nach lebenden Politikern zu benennen (und auch sonst Zurückhaltung zu pflegen, Astrid-Lindgren- und Peter-Ustinov-Schulen wurden als Ausnahmen von einer Regel dargestellt).

Zweitens, die Zeitschrift „Kommune“ stellte in den 1990er-Jahren einmal detailliert die Einkommensverhältnisse des ehrenamtlichen Oberbürgermeisters Burger dar. Wenn ich mich recht erinnere, zahlte die Stadt Köln, ungeachtet des Ehrenamtes, ein Salär in Höhe einer MdB-Diät, daneben - so die Erinnerung - flössen die MdL-Diät nebst pauschaler Mitarbeiterentschädigung, Aufsichtsratsmandats- und Ratsmitgliedsentschädigungen etc. etc. In der Summe, auch dank der günstigen Lage, dass etwa das OB-Salär als eine Art Ehrensold ausgestaltet (und damit wohl von beamten-/abgeordentenrechtlichen Anrechnungen ausgeschlossen) war, soll sich das auf einige 10.000 Mark monatlich belaufen haben.

Drittens, was diesen Eintrag unter „gelesen & ungelesen“ rechtfertigt: In ihrer byzantinischen Quantität schlagen die Todes- und Traueranzeigen, nur zwei tragen einen persönlichen Charakter (1 und 27), in eine ganz eigene Qualität um.

Um sie zu zitieren:
Kölner Stadt-Anzeiger 22. Mai, Seite 20
1) Anzeige der Familie
2) Die Stadt Köln trauert mit großer Anteilnahme um ihren Ehrenbürger und Oberbürgermeister a.D., gezeichnet von Jürgen Roters, Oberbürgermeister.
3) Um „unser Ehrenmitglied und Senator Dr. Norbert Burger ‚Rhingroller‘“ trauert der Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V., gezeichnet von Heinz-Günther Hunold, Präsident und Kommandant, nebst dem Verein der Freunde und Förderer der Ühlepooz Fritz Everhan-Stiftung e.V., gezeichnet von Dr. h.c. Fritz Schramma, Vorsitzender.
4) Das Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V. trauert um sein Ehrenmitglied und den Ehrenbürger der Stadt Köln, gezeichnet von Christoph Kuckelkorn, Vizepräsident (und Bestatter, vgl. 1), Markus Ritterbach, Präsident, Dr. Joachim Wüst, Vizepräsident.
a.a.O., Seite 21
5) In großer Trauer nehmen Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Betriebsrat, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Koelnmesse Gruppe Abschied vom Verstorbenen, folgende Funktionen sind angegeben: „Vorsitzender des Aufsichtsrats und des Wirtschaftsbeirats von 1980 bis 1999, Ständiger Gast des Aufsichtsrates von 1999 bis 2008“ [sic, sic!!].
6) Die Flughafen Köln/Bonn GmbH trauert um ihren Aufsichtsratsvorsitzenden der Jahre 1984 bis 1994, gezeichnet von Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Betriebsrat, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
7) Die Kölner SPD trauert um den „herausragenden Bürger“, Ratsherrn, Sozialdezernenten, langjährigen Oberbürgermeister sowie Landtagsabgeordneten. Unterzeichnet von Jochen Ott, Vorsitzender der KölnSPD, und Martin Börschel, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln.
8) Vom ehemaligen Mitglied im Verwaltungsrat der früheren Stadtsparkasse Köln verabschieden sich für die Sparkasse KölnBonn Martin Börschel, Vorsitzender des Verwaltungsrates sowie Artur Grzesiek, Vorsitzender des Vorstandes.
9) Die Fachhochschule Köln trauert um ihren Ehrensenator, den Mitbegründer, Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden ihres Kuratoriums, unterzeichnet von Professor Dr. Dr. h.c. Joachim Metzner, Präsident der Fachhochschule Köln.
10) Die Kölnische Karnevals-Gesellschaft 1945 e.V. trauert um ihren Ehren-Senator, gezeichnet von Dr. Johannes Kaußen, Präsident, und Claus Frohn, Senatspräsident.
a.a.O. Seite 22
11) Die Grosse von 1823 Karnevalsgesellschaft e.V., Köln, hat ihren Ehrensenator verloren, gezeichnet von Professor Dr. Dr. Joachim Zöller, Vorsitzender, Mario Anastasi, Senatspräsident, Hartmut Jarofke, Baas des Großen Rates.
12) Der Deutsche Städtetag erinnert an sein Präsidiumsmitglied und Präsidenten, gezeichnet Christian Ude, Präsident und Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Dr. Stephan Articus, Geschäftsführendes Präsidialmitglied.
13) Der ASB Köln trauert um seinen Ehrenvorsitzenden, gezeichnet Horst Gausmann, Erster Vorsitzender, Peter Stegmaier, Geschäftsführer (dass der Kölner Arbeiter-Samariter-Bund schon zu Lebzeiten Burgers eine Einrichtung nach ihm benannt hat, wird [schamhaft?] vernebelt).
14) Der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. trauert um sein Bundesvorstands- und Präsidiumsmitglied, gezeichnet von Knut Fleckenstein, Bundesvorsitzender, Christian Reuter, Bundesgeschäftsführer.
15) Der Kölner Männer-Gesang-Verein gegr. 1842 verlor sein Ehrenmitglied, gezeichnet Gerd-Kurt Schwieren, Präsident, Meinolf Rickert, Vizepräsident.
16) Ehrenratsherr und vom Verein mit einer „Goldenen Mütze ausgezeichnet“: Karnevalsgesellschaft Alt-Köllen vun 1883 e.V., Michael Hohmann, 1. Vorsitzender, Hans Brocker, Präsident, Professor Dr. Rainer Riedel, Senatspräsident.
17) Die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hat ihr Vorstandsmitglied verloren, gezeichnet von Professor Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender, Miguel Freund und Renate Canisius, stellvertrende Vorsitzende.
a.a.O., Seite 23
18) Vorstand und Mitarbeiter des Quäker Nachbarschaftsheim e.V., Norbert-Burger-Bürgerzentrums, trauern um ihr Vorstandsmitglied, gezeichnet von Vorstand und Mitarbeitern
19) Ehrenbannerhär der Kölner Narren-Zunft von 1880 e.V., Thomas Brauckmann, Bannerhär (Präsident), Ernst-Georg Kliem, Senatspräsident, Dr. Ulrich Müller-Lung, Chef des Großen Rates.
20) Der Lions Club Köln – Claudia Ara trauert um sein Mitglied, gezeichnet von Franz-Josef Schäfer, Präsident.
21) Die Kölner Klutengarde von 1908 e.V. trauert um ihren Ehrenklut und Freund.
22) Von ihrem ehemaligen Beiratsmitglied verabschieden sich Professor Hans-Georg Bögner für die Akademie för uns kölsche Sproch/SK Stiftung Kultur nebst Heinz Peter Holländer, Fründe vun der Akademie för uns kölsche Sproch e.V.
23) Die AWO Rheinland Stiftung verabschiedet sich von ihrem Stiftungsratsvorsitzenden, Stiftungsrat und Stiftungsvorstand zeichnen anonym.
Kölner Stadt-Anzeiger 23. Mai, Seite 17
24) Um ihren Mitbürger, der mit Leib und Seele Kölner war sowie ein Verfechter des Gedankens einer ganzheitlichen Daseinsvorsorge trauert die Stadtwerke Köln GmbH (ohne Funktionsangaben), gezeichnet von Dr. Dieter Steinkamp, Sprecher der Geschäftsführung, und Martin Börschel, Vorsitzender des Aufsichtsrates.
25) Das Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung Köln gedenkt ihres Vorstands- und Kuratoriumsmitglieds.
Kölner Stadt-Anzeiger 24. Mai, Seite 22
25) Der Landschaftsverband Rheinland gedenkt seines Ehrenringträgers, Professor Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland, zeichnen.
Kölner Stadt-Anzeiger 25. Mai, Seite 12
26) Die Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. trauert um ihren Ehrenkommandanten, gezeichnet von Kurt Stumpf, Präsident.
27) Rainer Brenner, Uwe Brüggemann, Kurt Froitzheim, Manfred Funken, Rudi Greven, Helmut Meindorf, Helmut Schmidt, Rolf Stellwag trauern um einen Freund.
28) Ohne Nennung von Funktionen trauern Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Betriebsrat, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kliniken der Stadt Köln gGmbH.
Kölner Stadt-Anzeiger 26. und 27. Mai, Seite 17
29) Die Vereine zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Barcelona, Köln-Bethlehem, Köln-Corinto-El Realejo, Köln-Cork, Köln-Indianapolis, Köln-Istanbul, Köln-Kattowitz, Köln-Klausenburg, Köln-Liverpool, Köln-Rio de Janeiro sowie Rio de Janeiro-Köln, Köln-Tel Aviv-Yafo, Köln-Tunis, Köln-Turin, Köln-Wolgograd, Deutsch-Finnische Gesellschaft (Köln-Turku), Deutsch-Französische Gesellschaft Köln (Köln-Esch-sur-Alzette; Köln-Lille), Deutsch-Französisch-Belgische Gesellschaft Köln (Köln-Lüttich; Köln-Lille), Deutsch-Japanische Gesellschaft (Köln-Kyoto), Deutsch-Niederländische Gesellschaft (Köln-Rotterdam), Freundeskreis Fregatte Köln [sic!], Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (Köln-Peking), Kaiserin Theophanu Gesellschaft (Köln-Thessaloniki), Ökumenischer Partnerausschuss Köln-Liverpool, Partnerschaftsverein e.V. Köln-Porz, Partnerschaftskomitee Rodenkirchen-Wattignies, Städte-Partnerschafts-Club Köln e.V. sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Büros für Internationale Angelegenheiten im Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Köln  trauern um den in ihren Angelegenheiten zuständigen Ex-Oberbürgermeister.
30) Namenlos trauern Kuratorium und Vorstand der Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln um ihren Gründungsvorsitzenden (Jürgen Roters hätte das auch zeichnen können).

Nachträge:
31) Übersehen habe ich die allein stehende Anzeige des Vereins für die Freundschaft zwischen Köln und Betlehem, die mir erst beim Wegsortieren der Zeitungsausrisse in den Archivaktenordner auffiel.
Kölner Stadt-Anzeiger 30. Mai, Seite 23
32) Das Rektorat der Universität zu Köln erinnert daran, dass sich Burger „immer wieder mit großem Engagement für die Belange der Universität eingesetzt“ habe. Ein Satz, den man in seinem Arbeitszeugnis nicht lesen möchte. Die Anzeige, dem Andenken an den Universitätsmedaillenträger des Jahres 1988 gewidmet, unterzeichnet von Universitätsprofessor Dr. Axel Freimuth, Rektor.













Samstag, 26. Mai 2012

Verbrechensrate im Kleinfürstentum


Einmal mehr zeigt sich die Überlegenheit des römischen Katholizismus über alle anderen Systeme: Während in unserer republikanisch-demokratischen Ordnung die Kontrolle der Justiz- und Strafverfolgungsorgane mitunter schwerfällt, setzt der Heilige Vater einfach so hochbetagte Ermittler ein, dass jedes Schielen der Kriminalisten auf Karriere qua überschießendem Verfolgungseifer von vornherein ausscheidet.

Allein die Verbrechensrate in der letzten absolutistischen Wahlmonarchie auf europäischem Boden macht mir etwas Sorgen.

Jenen Kölner Messdienern, die über ihren lokalen Schafshüter, pardon: Hirten, ähnlich auspackten, würde ich ohne weiteres ein Eis ausgeben oder das Taschengeld erhöhen. Schon damit der Ruch des dunklen Geheimnisses nicht allein am allerobersten Seelenwächter hängenbleibt.

Links:


Martin Rath







Freitag, 25. Mai 2012

Zukunftsfähig

Herr Kohler beklagt sich über das blödsinnige Wort zukunftsfähig und fragt, ob nicht wenigstens die Partei der raubmordlustigen Seefahrer für etwas eintreten könnte, das zukunftsunfähig ist. (Ich vermute, dass sie das, wie alle anderen Parteien auch, längst tut.)

Die Klage hätte ich führen können. Über das vergleichbar schwachsinnige Wort Zukunftsinvestitionen zeige ich mich ja schon länger indigniert. Immerhin, Vergangenheitsinvestitionen ergäben als Schadensersatz ein bisschen Sinn, will man den Negationstest durchführen.






Donnerstag, 24. Mai 2012

Überlegenheit des Katholizismus


Nach dem Zufallsklick in den Wikipedia-Artikel zum heiligen Martin von Tours las ich verwundert, für welche Angelegenheiten mein Namenspatron zuständig ist. Ich kannte nur die augenfälligsten wie die als Schutzheiliger der Bettler und Reisenden.
Zusätzlich trage ich noch eine etwas fruchtlose Privathypothese mit mir herum, wonach der Aspekt der Mantelteilung der fränkischen Reichsgründungsmafia als gutes PR-Emblem für ihre segensreiche Umverteilungsarbeit gedient haben könnte.

Ein Klick weiter, vom Wikipedia-Artikel fort, fand sich diese Liste von Krankheiten (vierter Link in der Liste), für die das muntre Volk der Schutzheiligen und -patrone einschlägig ist.

Wer wollte einen trefflicheren Beweis für die Überlegenheit des römischen Katholizismus über all die protestantischen Abspaltungen mit dynamikfreier Gottesdienstgestaltung finden, „kirchliche Gemeinschaften“ (Professor Ratzinger), die ihre Wundergläubigen in die Arme tibetischer Feudalmönche im Exil treiben?

Erlaube zu erwähnen: Bin selbstredend von sardonisch-agnostischer Konfession.



Rinks und lechts:


Martin Rath




Mittwoch, 23. Mai 2012

Act of God

Nachdem der Regenzauber eines Scharlatans eine Sturzflut „verursacht“ hatte, klagte er wegen verweigerten Honorars gegen die auftraggebende Gemeinde. Der Rechtsstreit verlief nach den Worten von SPIEGEL ONLINE so:
 Erbost verklagte Hatfield die Stadt. Nach jahrelangem Rechtsstreit urteilte das Gericht schließlich, der Regen, der San Diego heimgesucht hatte, sei nichts als ein Werk Gottes gewesen. 
 Mir sind die mittelalterlichen Einsprengsel des anglo-amerikanischen Rechts ja auch sehr sympathisch. Mit dem „act of god“ habe ich sicherlich schon einmal gespielt. So wie hier, geht es aber eher nicht, weil es das Bild heraufbeschwört, der US-Richter habe den Regenguss auf ein Eingreifen Gottes in die Geschichte zurückgeführt - das Bild eines naiven Wilden im gottesfürchtigen Justizanekdotenstaat.

Richtig wäre die prosaische Übersetzung als „höhere Gewalt“.

Rinks und lechts:


Martin Rath







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Mittwoch, 16. Mai 2012

Über das lange Leben von Ronald Coase gestolpert

Im Aufsatz „Ökonomie und Recht – Ökonomische Effizienzjurisprudenz“, einer Vorlesung von  Notar Professor Dr. Wolfgang Baumann, Wuppertal, erschienen in der Rheinischen Notar-Zeitschrift 2007, lese ich soeben den bemerkenswerten Satz:
Wiederum waren es die Transaktionskosten, die nach dem posthum als Coase-Theorem benannten Modell für das Funktionieren des Marktes verantwortlich sein sollten. (Hervorhebung von mir)
Während ich das lese, ist Ronald Coase durchaus noch unter den Lebenden, so vermute ich jedenfalls, wenn auch hochbetagt. Und in jedem Fall war er vor fünf Jahren noch unter uns.

Kein wirklich schlimmer Fehler, es hängen ja - anders als bei Flugzeugbauplänen oder Kfz-Betriebsanleitungen - keine Menschenleben davon ab, aber doch einer der extrem unangenehmen Sorte.

Dies zur Richtigstellung, falls doch jemand über die Aussage stolpern sollte.

Rinks & lechts:


Martin Rath




Nachtrag: Ronald Coase verstarb am 2. September 2013, überlebte seinen posthumen Nachruhm also um rund sechs Jahre.







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Kalau

Ich fange immer wieder an! Lebensentwürfe und Lebensmuster (Wiederholungsveranstaltung)
Redaktioneller Veranstaltungshinweis im Kölner Stadt-Anzeiger von heute (Magazin, S. 5)

Montag, 14. Mai 2012


In NRW geht es fast zu wie in alten Zeiten, fehlt eigentlich nur noch, dass über der Ruhr die Schlote wieder rauchen.
Sarkastisch kann man natürlich fragen: „Warum wieder?“

Aber im Ernst: In der Stadt, zu deren Einwohnern ich zähle, werden die sieben direkt mandatierten Kandidaten der großen deutschen Volkspartei voraussichtlich in den nächsten Monaten vor lauter Kraft nicht mehr ganz gerade laufen können.

Jetzt werden vermutlich auch in anderen Großstädten wieder die üblichen Machtspiele ausbrechen, die sich um Prozent-, nicht um Programmsätze ranken. Beglückend wird das nicht.






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Samstag, 12. Mai 2012

Klaus Goehrkes Fesseln des Biografen

Man hat gegenüber Joachim C. Fest gelegentlich den Verdacht geäußert, er habe sich von Albert Speer sen. den einen oder anderen Bären aufbinden lassen. Dass Speer, der angesichts seiner Rolle in der NS-Sklavenwirtschaft und der Maßstäbe des Nürnberger Gerichtshofs sein Leben durchaus an einem Stück Hanfseil in Landsberg hätte beenden können, nach seiner Haftentlassung Verteidigungslegenden nicht in historische Wahrheit wandeln würde, ist klar.

Gleichwohl käme nur ein extrem naiver Autor heute noch auf die Idee, seine Darstellung vom Leben einer in der Spitze des NS-Staats tätigen Person auf deren Memoiren zu stützen, ohne Versuch, die bei eingeschränkter Quellenlage (die hier gar nicht einmal gegeben sein dürfte) kaum zu vermeidende Affirmation so weit zu reflektieren, dass sie dem Leser nicht mit Schwung ins Gesicht schlägt.

Um den Tonfall, in dem dieses kleine Büchlein über den Finanzminister Hitlers einmal wiederzugeben, pars pro toto, genügt vielleicht ein Satz:
„Gewiß war der Minister 1933 nicht die einzige achtbare Persönlichkeit, die sich im völkischen Rausch verlor.“
Es folgt ein Vergleich mit Gottfried Benns bekannter Verworrenheit, um auf die Familie es Ministers mit der schon in Textbezug und Begriffswahl reichlich merkwürdigen Aussage zu verweisen:
„Schwerin-Krosigk stand mit dieser Ansicht [Gottfried Benns?, MaR] in seiner Sippe keineswegs allein, wie ein Blick nach Kamen-Heeren zeigt.“
(Seite 33, Unterstreichungen von mir)

Hier wird kein Bär aufgebunden, es wird gleich auf Bärenpergament geschrieben. Und damit weniger verärgert als erstaunt vom Schreibtisch geräumt:

Klaus Goehrke: „In den Fesseln der Pflicht“ Der Weg des Reichsfinanzministers Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Köln (Verlag Wissenschaft und Politik Claus von Nottbeck) 1995, 112 Seiten, Universitäts- und Stadtbibliothek Köln Sig. 20A4938



Rinks und lechts:
Martin Rath






Dienstag, 8. Mai 2012

Schonung der Errata

In der FAZ las ich vorhin die etwas unsinnige Bildunterschrift:
„Überschwänglich: Parteichef Rösler und der Vorsitzende der FDP-Landesregierung Heiner Garg“
Man will kein Barbar sein, füllt ein Formular zur Benachrichtigung der Redaktion aus, das sich freilich unter Vernichtung aller - viel zu zahlreich einzutragender - Daten vom Bildschirm verabschiedet.

Für ein eigenes Formular zum Korrigieren offensichtlicher Fehler ist man bei der FAZ, wie es scheint, zu eitel. Dabei soll man mir doch einmal eine „FDP-Landesregierung“ zeigen, die unter dem Vorsitz eines Politikers dieser Partei steht.

Man fürchtet ja ~~~ und sonst gar nichts in der Welt.

Erratum, richtig: Stellvertretender Ministerpräsident, stupid.

Sonntag, 6. Mai 2012

Thomas, Matthias

Bei Ihrer Personality hingegen, Rath, hat der Herr keine halben Sachen gemacht: Sie scheinen ein vollendeter Doofkopf zu sein.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, online, von heute. Manchmal bin ich froh, nicht Thomas oder Matthias getauft zu sein.