Mittwoch, 18. April 2012

Tokio will Senkaku-Inseln kaufen - Kant kein positives Recht geworden?

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 91 vom 18.04.2012

In der FAZ berichtet Carsten Germis heute über Pläne japanischer Politiker, einige umstrittene Inselchen vor der chinesischen Küste zu kaufen.

Was so harmlos als skurrile Meldung aus dem unbekannten Reich ostasiatischer Nationalismen daherkommt, stürzt mich - offen gestanden - in eine Bildungslücke. In einem satirischen, aber gleichwohl durchgängig mit hohem Ernst zitierten Text von Immanuel Kant (jedenfalls kategorisierte ihn nach meiner Erinnerung ein sowjetischer Autor in den 1980er-Jahren als satirisch) findet sich die Forderung:
„Es soll kein für sich bestehender Staat (klein oder groß, das gilt hier gleichviel) von einem anderen Staate durch Erbung, Tausch, Kauf oder Schenkung erworben werden können.“
Es hatte sich wohl in meinem Hinterkopf festgesetzt, dass dieser zweite Präliminarartikel zu Immanuel Kants „Zum ewigen Frieden“ im Lauf der vergangenen 200 Jahre - genauer seit Gründung der Vereinten Nationen - in positives Völkerrecht übergegangen sei.

Dass der Tausch nicht verboten ist, hätte ich wohl nicht annehmen wollen, aber Erbung, Kauf und Schenkung scheinen mir durchaus verbotsfähig, denn anders als beim Tausch scheint mir die „Preisfindung“ angreifbar. Zwar sind die Inseln nicht bewohnt und bilden keinen „für sich bestehende(n) Staat“, - sind aber diese Faktoren die ausschlaggebenden dafür, dass darüber nachgedacht werden kann, sie zu kaufen?

Vollgestopft mit überflüssigem Wissen in nämlichem eine Lücke zu entdecken, finde ich eigentlich nicht besonders schlimm.


Lechts und rinks:


Martin Rath










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