Freitag, 9. März 2012

Vom Schreibtisch geräumt: Kemal Bozay


In meinen schwachen Stunden, wenn mich der zarte Selbstzweifel übermannt, dass meiner politischen Gesinnung (eine Art anarchokapitalistisches Gutmenschentum mit fetter, schwarz-grüner Patina) ein leicht irrationaler Dachschaden abzulesen Zug anhaften könnte, wenn mich die  Erotik einer Mischung aus Preußentum, Positivismus und Sozialismus anficht und mich nur noch der grausam-enterotisierende Gedanke an die Kölner Sozialdemokratie, namentlich der Bembelsozialisten in meinem Stadtteil, von weiterer Gesinnungslosigkeit abhält - da fallen mir, ausgerechnet, Bücher wie dieses in die Hand.

Man kann sich darüber streiten, ob unser amtierender Bundesinnenminister ein besonders schlauer Kopf ist. Nicht zweifeln braucht man jedenfalls daran, dass Hans-Peter Friedrich die oben abgebildete Stelle nicht handschriftlich markiert hat. (Ich war es auch nicht. Erstens mache ich so etwas nicht. Zweitens: So feminin sieht meine Handschrift nicht aus.)

Lange Vorrede kurzer Sinn:
Kemal Bozay hat 2005 eine Dissertationsschrift drucken lassen, seine Untersuchung „... ich bin stolz, Türke zu sein!“ Ethnisierung gesellschaftlicher Konflikte im Zeichen der Globalisierung, betreut u.a. vom umtriebigen Professor Butterwegge, bietet einen zweifellos besseren intellektuellen Aufriss aktueller Probleme als, sagen wir, die Augsburger Dissertation „Die Testamentsvollstreckung an Kommanditanteilen.“. (Überhaupt, bayerische Dissertationen! Löckt dort eigentlich stets die österreichische Promotionskonkurrenz?)

Kemal Bozay ist für die Linkspartei in die Bezirksvertretung Köln-Mülheim gewählt worden. Sonst hätte ich dort oben nicht hineingeschaut.

Und Seite 117 hätte der gute Dr. Friedrich lieber einmal beherzigt, bevor er mit seiner jüngsten Auftragsstudie bei der BamS Stimmung machen ging.






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