Dienstag, 6. März 2012

Ross Thomas - Umweg zur Hölle

Die Ross-Thomas-Geschichten haben einen gewissen Suchtfaktor, da wird sich der Buchhandel noch sehr an mir freuen können (Link: direkt ab Herstelller).

Mit dem „Umweg zur Hölle“ wird ein Plot um die Säuberung eines Geheimdienstproblems gestrickt, das eine wirkungsmächtige Paranoia entstand, die auf einer womöglich irrigen Vermutung zum Kennedy-I.-Mord beruhte. Getragen wird das von Beziehungsgeflechten unter den handelnden Personen, die spätestens bei reiflicher Überlegung nicht unplausibel erscheinen. Die losen Fäden fallen geschickt (es ist die Paranoia eines Geheimdienstes, die eine Handlungskette auslöst, hier wird keine „Lösung“ für den Dallas-Fall angeboten), das Personal wirkt sympathisch bzw. passend ausstaffiert.

Auch das Nachwort von Jörg Fauser taugt etwas (von einem - in meiner Lesereihenfolge - vorgängigen Gisbert Haefs' war ich ja nicht so angetan).

Menschen, die mit der Szenerie der späten 1970er-Jahre nicht viel anfangen können, werden womöglich nicht den ganzen Genuss aus diesem Buch ziehen. Wer damit gar nicht zurecht kommt, kann sich an ja die braven Moralparabeln z.B. nach Art des etwas einfältigen „Todesspiels“ von Heinrich Breloer halten, Thomas ist - glaube ich - für Spießerthrillersuchende eher ungeeignet.

Ausführlich besprechen möchte ich den Roman hier gar nicht. Da findet man anderenorts schon Treffendes.



Lektoratsdinge nebenbei: Auf Seite 59 wird für Pu Yi, den letzten Kaiser von China, ein falsches Alter konstruiert. Was 40 Fuß große Grundstücke, Seite 195, sein sollen, erschließt sich auch nicht. Für's durchgängige Einsprengseln eines „Yeah“ in den Dialogen hätte sich vielleicht eine stilistisch elegantere Lösung finden lassen. Dass jemand, der in den USA Probleme mit einer Grand Jury bekommt, in einer Art bizarrem Anklageverfahren steckt, hat sich inzwischen dank Criminal Intent & Co. wohl herumgesprochen, so dass die Übersetzung mit „Großem Geschworenengericht“ (Stelle nicht notiert) etwas antiquiert wirkt.
Insgesamt gibt es aber an der Übersetzung vermutlich nicht viel zu beklagen. Beurteilen kann ich das aber erst später, vielleicht ab 2013. Jetzt sauge ich erstmal die Sychro-Fassungen auf.




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