Mittwoch, 28. März 2012

Ross Thomas: Der Yellow-Dog-Kontrakt


Ross Thomas: „Der Yellow-Dog-Kontrakt“, Alexander Verlag Berlin, 1. Auflage 2010. Für 14,90 Euro hier erworben.

Gar so häufig lese ich Thriller ja nicht, aber Ross Thomas hat es mir wirklich angetan. Kritiken aus der Perspektiven etwas robusterer Leser finden Sie hier und dort.

(Zum Yellow-dog contract die freundliche, also englischsprachige Wikipedia.)

Den oben verlinkten Kritiken will ich, wiederum, nicht allzu viel hinzufügen. Man kann es mit der Datenflut in diesem Internetdings ja auch übertreiben. Interessant fand ich an der Verschwörungskonstellation dieses Romans (um solche geht es ja in - soweit ich das bisher überblicke - allen Thomas-Thrillern), den folgenden Aspekt:

Damit verrät man, glaube ich nicht zu viel: Eine im Dunklen bleibende Gruppe betreibt einen Streik des öffentlichen Dienstes in den zwölf größten Städten der USA. Obwohl dies auf dem Schachbrett des Präsidentschaftswahlkampfes (angesiedelt in der Zeit nach der Watergate-Affäre) eine Verschwörung von dramatischen Auswirkungen sein könnte, bleibt der Informationsfluss zum Strategen (von Thomas beschrieben: der benachteiligte Präsidentschaftsbewerber) zunächst stark gehemmt. Das klandestine Treiben in den Gewerkschaftsorganisationen (die in den USA von jeher eher die Anmutung von Mafia, Geheimdienstverstrickung etc. hatten, die deutschen Genossen marschieren da vergleichsweise wie das preußische Militär) bleibt in einer Sphäre des für die Öffentlichkeit Zugänglichen, von den Vertretern der Öffentlichkeitsproduktion aber ignorierten.

In einer hübschen Szene wird die Dummheit der Journalisten vorgeführt, die sich in Washington mit Hofberichterstattung beschäftigen, statt schlicht ein paar Gespräche in der Provinz zu führen.

Liebhaber des US-amerikanischen Realismus, nennen wir so unterschiedliche Namen wie Ross Thomas, Ambrose Bierce, Barbara Ehrenreich, kommen auf ihre Kosten.


Nebenbemerkung: Vorgestern hörte ich zwei „Grünen“-Bundestagsabgeordnete, die traditionell eher dem linken Flügel zugeordnet werden, von einer „Wertebasis“ sprechen, mit deren Hilfe etwa der demoskopisch messbaren Piraterie beigekommen werden solle.
Mir half Ross Thomas beim Dekontaminieren: Ich finde solche Herz-Jesu-Rhetorik im politischen Raum ganz grässlich. Wenn ich Frömmelei hören will, kann ich ja auch in dunklen Stunden Selbstgespräche führen.

Nebenbemerkung II: Die Übersetzungsgeschichte der Ross-Thomas-Bücher ist ja ein Elend für sich. Der Alexander-Verlag bringt glücklicherweise neu bearbeitete Fassungen heraus, was, nebenbei, auch die Amazon-Gebrauchtbuch-Suche ad absurdum führt. An zwei, drei Stellen blieb mir freilich, ohne Kenntnis des Originals, die Übersetzung etwas fremd. So fand sich (S. 104) ein Hinweis auf die Neuzählung der Stimmen bei einer Senatorenwahl, die „bundesweit“ erfolgt sein soll. Das ist vermutlich falsch. Das Wahlrecht für Kongresswahlen ist viel weitgehender Staatensache als etwa das Bundestagswahlrecht von den deutschen Bundesländern beeinflusst würde. Nachgezählt wurde hier wahrscheinlich „staatsweit“. Etwas relikthaft wirken auch die öfter genannten „Stadtdirektoren“. Als Chefbeamte deutscher Stadtverwaltungen waren sie hierzulande geläufig, bis die deutschen Gesetzgeber das 1945 importierte britische Kommunalverwaltungsrecht wieder zu beseitigen begannen. Stadtdirektoren kennt man hierzulande heute kaum noch. Ob das in den USA jemals anders war?
Der „internationale Verband“, hinter dem ein Einflusszirkel der CIA auf die internationale Gewerkschaftsbewegung stand (dieser tote schwedische Ministerpräsident lässt freundlich vom studentischen Pendant grüßen), wird relativ schlecht im Roman präsent gehalten - man muss schon einigermaßen aufpassen, um seine Erwähnung als Signal für ein „ab hier mischte die CIA mit“ im Kopf zu behalten.




Lechts und Rinks:



Martin Rath









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