Mittwoch, 7. März 2012

Noske-Law featuring Godwin's law

Gustav Noske ist nicht beliebt.

Der sozialdemokratische Politiker zählte schon in der SPD-Reichstagsfraktion im Kaiserreich zum rechten Flügel der roten Strolche des parlamentarischen Flügels der ArbeiterInnenbewegung. Indem er gegen die radikale Linke der deutschen Revolution von 1918/19 ausgerechnet mit jenen Teilen des Militärs paktierte, die sich nicht nur durch Antibolschewismus, sondern auch durch ausgesuchte, ja ausgesucht blutrünstige Verfassungsfeindlichkeit „auszeichneten“ hat Gustav Noske seinen Ruf wohl endgültig ruiniert.

Nach der großen Enzyklopädie zusammengstrickter Erkenntnis kam Noske, von der SPD auf den Posten eines preußischen Super-Regierungspräsidenten abgeschoben, 1933 in den Genuss, sein Ausscheiden aus dem Amt mit Hermann Göring persönlich verhandeln zu dürfen.

Außerdem finden sich Anhaltspunkte für antisemitische Gesinnung.

Nein, Gustav Noske ist nicht beliebt. Und er wird es mit Sicherheit außerhalb rechtsradikaler Kreise auch nicht mehr werden. Mich interessiert allerdings ein relativ unverfängliches Detail von Noskes Biografie: Der Mann ist jetzt bald mal gute 66 Jahre tot.

Unlängst wurde über den Gastauftritt des Star-Sozialdemokraten Helmut Schmidt bei seiner Partei beim SPD-Bundesparteitag 2011 gespottet, die Rede des 1918 Geborenen entspräche einem Auftritt des 1818 geborenen Karl Marx bei einem SPD-Reichsparteitag von 1911.

Selbst wenn man allerdings eine gewisse Wertschätzung der Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten, Seifenkisten für ihre lieben Untoten annehmen darf - und neben der Wertschätzung selbstredend auch für deren Gegenteil -, Gustav Noske ist bald 66 Jahre tot. Darauf reite ich gerne herum, denn nach einem bekannten Schlager aus Österreich fängt das Leben zwar mit 66 Jahren an, aber der Tod hört nach 66 Jahren - soweit ich gehört habe - noch lange nicht auf.

Gleichwohl wird Noske sogar noch in einem Kommentar als Negativbeispiel schlimmer Realpolitik von links angeführt, der sich der angeblich unzureichenden Strafverfolgungsmaßnahmen gegen überlebende NS-Täter in Baden-Württemberg annimmt. Ein Kommentar aus dem Jahr 2011, wohlgemerkt. Gekommen bin ich auf den Kommentar über eine Auseinandersetzung, ob das linke Lager den lieben Winfried Kretschmann nicht allzu sehr zausele.

Das ist mir, ganz gleich, was ich von Herrn Kretschmann oder Herrn Noske halte, einfach nur zu dumm. Und ich bemerke, dass ich schon seit längerem allergisch reagiere, wenn linke Leute mit 1918/19 oder dem ollen Noske kommen. Hier in Köln-Mülheim gibt es einige Herrschaften, die das auch immer wieder gerne tun. Da heißt es dann, Barbara Moritz, die GRÜNEN-Fraktionsvorsitzende, mache den Noske.

Grauenhaft.

Mir scheint, die linken Herzinnen und Herzen sollten sich den Gefallen tun, und beim Stichwort „Noske“ analog zu „Godwin's Law“ reagieren, das ja neben der deskriptiven Seite auch eine normative hat: Schreibt jemand in einem Onlinediskussionsstrang „Hitler“ führt das ja meist dazu, den Sinn weiterer Diskussion mit dem Stichwortwerfer zu bezweifeln und gegebenenfalls mit aktiver Troll-Bekämpfung zu beginnen.

Aber was rede ich: „gegebenenfalls mit aktiver Troll-Bekämpfung beginnen“?

Ich klinge ja schon, als wollte ich den Noske machen.




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