Montag, 19. März 2012

Kiesows gar anschlussfähige Jagd?


Rainer Maria Kiesow, Verfasser der wohl ungewöhnlichsten Habilitationsschrift juristischer Konfession, notierte gestern im Mops-Blog, dass ein französischer Autor die Eigenschaften eines guten Juristen mit jenen eines guten Jägers analogisiert bzw. metaphorisiert habe.

Kiesows Posting ist nicht lang, nicht unhöflich, einfach nur zu verweisen. Für den, der von dort hierher zurückkehrt:

Fraglich ist, wie anschlussfähig der Topos ist. Frankreich hat die Jagd in den Jahren 1789 ff. demokratisiert, jedenfalls schießt der gemeine Bauer gar fleißig auf die bewegliche Natur. Die französische Justiz wirkt, von außen betrachtet jedenfalls, allerdings wie eine feudale Einrichtung.

In Großbritannien scheint die Jagd (ich kenne mich mit dem Töten von Tieren unter freiem Himmel nicht so aus) ein recht aristokratisches Vergnügen geblieben zu sein. Mit der Justiz assoziiert man vielleicht auch Perücken, Plüsch und Lawlord-Titel, das erste populäre Sachbuch für den rechthaberischen Bürger wie Du und Ich schrieb dort aber Richter Blackstone schon zur Zeit der nicht zuletzt jagdaristokratiefeindlichen Franzosentumulte (die einen starken Bauernstand hervorbrachten, mit dem das Land heute noch ökonomisch hinterherhinkt).

Und welche Metapher sich aus dem deutschen Jagdwesen saugen ließe, ist mir ein Rätsel. Komisch ist immerhin die juristische Seite.

Möglich, dass über die individualpsychologische Sicht hinaus, die Kiesow'sche Jäger-Juristen-Analogie nicht trägt. In stiller Ehrfurcht vor der polemischen Leidenschaft der Neuesten Frankfurter Schule der Juristerei neige ich dazu, mich glücklich zu schätzen, den Inhabern des rechtshistorischen Jagdpachtbezirks bisher selbst noch nicht vor die Flinte gekommen zu sein.


Lechts und rinks:



Martin Rath








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