Montag, 26. März 2012

Bundeslandwirtschaftsministerin subventioniert FAZ

Nichts dagegen, dass vom Bundeslandwirtschaftsministerium in der FAZ großformatige Anzeigen geschaltet werden. Dort wird man sich den Schneid schon nicht abkaufen lassen. (In der Mittelklassepresse mag das anders aussehen.)

Als ich jetzt in der FAZ von heute diese hübsche ganzseitige Anzeige sah, viel Weißraum und ein riesiger Apfelquerschnitt (ein nicht ganz perfektes Stück, an dessen Verzehrqualität ich aber nicht den Anflug eines Zweifels vermittelt bekomme), stellen sich drei kleine Fragen:

  1. Warum müssen die - hoffentlich bürgerlichen, vermutlich im Durchschnitt etwas älteren - Leser dieser Zeitung mit dem „Bild“-Zeitungs-Vertrottelungs- und Vereinnahmungs-„wir“ angesprochen werden? Nur weil „wir [...] Papst [sind]“, brauchen  „wir“ uns noch längst nicht so dumm anmachen zu lassen.
  2. Seit wann ist der Durchschnittsbürger mit den Reklamebeauftragten des Ministeriums per „Du“?
  3. Ist es nicht so, das ein Großteil der Lebensmittel von Produzenten und Händlern vernichtet wird, so dass ein individuelles Änderungsbedürfnis den hier angesprochenen Verbraucher zum Ährenlesen auf den Acker oder zur Abfallrettung in die nächste Supermarkt-Mülltonne treiben müsste?
Mir fallen drei Antworten ein:
  1. Ich nicht. Kann ich nicht beweisen, aber ich habe auch schon drastisch abgelaufene Buttermilch mit Obst püriert oder kräftig angedunkelte Butter zum Waffelnbacken benutzt (nicht für Gäste, aber auch ich habe mir den Magen dabei nicht verdorben).
  2. Erwachsenen darf man höflich begegnen, sogar wenn sie niedlicher aussehen, als der mutmaßliche FAZ-Leser. Unlängst habe ich mich in der Universitätsbibliothek dabei ertappt, mir das Nacheilen hinter einer Studentin, die ihren leeren Bücherbeutel fallen gelassen hatte, per „Sie“ beendet zu haben.
  3. Könnte also schlicht am Hauptproblem vernichteter Lebensmittel vorbeigeschrieben sein, sofern nicht die Aigner dem Bauern die Verbraucher auf den Acker holen will oder dem Supermarkt den Kunden in den Müllcontainer.

Wahrhaftig, das ist ja mal wieder gute Regierungswerbung.


Rinks und lechts:

Martin Rath





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