Montag, 13. Februar 2012

Ehmke versus Vogel

Vogel: Herr Ehmke, das „totgeborene Kind“ verzeihe ich Ihnen, weil ich von Ihnen höre, daß Sie Danziger sind und weil ich - aus gewisser Kenntnis der neueren Literatur - weiß, daß man in Danzig offenbar gelegentlich recht gern etwas drastischer formuliert. Zu Ihrer Forderung nach einer Verfassungstheorie scheint mir offen zu bleiben, auf welcher Grundlage Sie eine solche materielle Verfassungstheorie aufbauen wollen, wenn Sie nicht zunächst einmal von dem ausgehen, was uns an positivrechtlichen Regelungen an die Hand gegeben ist.

Horst Ehmke, Krimi-Autor, vormals SPD-Minister und Staatsrechtler, hatte Klaus Vogel, den das Lexikon digitalen Unwissens als Steuerrechtler verzeichnet, vorgehalten, dass Artikel 3 Grundgesetz „aus der Regelungsbefugnis eine Rechtssetzungsbefugnis“ mache, was das Gegenteil der Vogel'schen Intention bedeute.

Zum Zeitpunkt dieser zart-esoterischen Auseinandersetzung war Ehmke 38, Vogel 34 Jahre alt. Man traf sich bei einer Veranstaltung namens „Tagung der Deutschen Staatsrechtslehrer“ in Würzburg. Das war im Herbst 1965. Ehmke hatte sich zuvor als gebürtiger Danziger geoutet, Vogel war ein gebürtiger Hamburger.

Günter Grass war also den jungspundigen Staatsrechtsesoterikern immerhin einen Seitenhieb wert. (Klaus Kinski kam ja aus Zopot, worauf hinzuweisen man in meiner Familie immer Wert legte, und damals nur durch Filme bekannt.)

Mein Vater wuchs, wenn ich der Familienlegende trauen darf, im Hinterhaus der Familie Ehmke in der Brotbänkengasse (heute: ul. Chlebnicka)  auf, man begegnete sich wohl in den 1980er-Jahren einmal auf einem russischen Flugplatz und ging nicht erfreut von einander.

Ironiebegabt sind Hamburger mehr als man ihnen gemeinhin zutraut. Dass Danziger und ihre Brut eine Bande barsch formulierender Drastiker sind, dazu braucht es keines Blickes in die:

VVDStL Heft 24, S. 232



Nachtrag 06.04.2012: Und der Danziger Schnauz macht weiter.






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