Montag, 27. Februar 2012

Ross Thomas - Gottes vergessene Stadt

Wie schreibt man etwas über einen Krimi oder Thriller, ohne zu viel zu verraten? Man lässt es bleiben und verweist einmal mehr auf die vorzügliche Krimi-Couch.

Die Verschwörungen aus dem US-amerikanischen Geheimdienst-, Politik- und Wirtschaftsleben, die Ross Thomas entwickelt, mögen vielleicht dem paranoiden Weltbild entsprechen, das auch manch Leserbrief-Irrer auf den Kommentarseiten - sagen wir: des Kölner Stadt-Anzeiger oder der Welt - zusammenschnurrt, was ihre Raffinesse und Ästhetik betrifft, sind sie aber natürlich wesentlich elaborierter. Das verhält sich ungefähr wie die Katzenberger zur Bergman.
Und das lässt mich schwer anhänglich werden (nicht was die Bergmanoiden betrifft, sondern die Ross-Thomas-Romane).

Mir fällt, inzwischen beim dritten Thomas angelangt, auf, dass die handelnden Personen durch Beziehungen miteinander verstrickt sind, die zunächst ein bisschen unplausibel erscheinen. Ich fürchte, das wirkt mitunter etwas herbeikonstruiert.
Darüber habe ich ein bisschen nachgedacht. Erstens: Ganz so groß, wird die aktive politische Klasse auch der USA nicht sein. In Deutschland stößt man ja auch schon einmal auf dynastische Bande, von denen man nie gehört hatte - zumindest in Vordigitalzeiten. Ob die schmutzigen Zehntausend der USA, unter denen Thomas seine Geschichten spielen lässt, zahlenstärker sind als - sagen wir - die Bevölkerung Islands, die sich ja bekanntlich auch durch die Bank beim Vornamen ruft? Zweitens: Ich habe einmal einem persönlichen Freund Angela Merkels die Hand geschüttelt. Würde man das häufiger tun, hätte man schon Chancen, zum Personal eines Ross-Thomas-Settings zu werden. Womit ich nur sagen will: In bestimmten Kreisen wird man wohl keine vier oder fünf, sondern bestenfalls ein oder zwei Mittelsmänner (m/w, bei Thomas häufig w) brauchen, um eine gefährliche Beziehung zwischen zwei Akteuren herzustellen.

Vor einem vorschnellen: „Das ist ja konstruiert!“ würde ich Ross Thomas nach dem bisher Gelesenen jedenfalls gerne in Schutz nehmen.

Mehr ist an dieser Stelle nicht zu sagen. Wer es nicht selbst lesen möchte, kann sich ja auf die - oben verlinkte - Krimicouch lümmeln.
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