Montag, 6. Februar 2012

Hilde Benjamin ist beim WDR „Hilde“

Ich kann es ja nicht ausstehen, wenn in biografischen Essays das Objekt der Neugierde beim Vornamen benannt wird, hier „Hilde“. Für meinen Geschmack auch noch einmal deutlich zu freundlich geht Heide Schwochow mit Hilde Benjamin zu Gericht, in ihrem Zeitzeichen zum 110. Geburtstag der SED-Juristin. Aber das empathische Herangeschleime an den biografischen Gegenstand ist ja leider in der feministisch eingefärbten Geschichtsdarstellung sehr gebräuchlich. Beschweren wir uns also nicht über den Stil.

Bemerkenswert finde ich unterdessen die Aussage, dass ein Justizminister namens Roland Freisler Hilde Benamin Berufsverbot erteilt haben soll. Der keifende Henker war ja bekanntlich Minister, damals. Bei Schnitzern dieser Qualität werde ich leicht gehässig: Vermutlich war Freisler in dem Maß Justizminister, in dem Ronald Feisel Intendantin des WDR ist.

Ich stelle mir gerade vor, ein Zeitzeichen würde aus Freislers Jugendjahren erzählen, beginnend mit einem herzigen „Als junger Mann war Roland ein begeisterter Bolschewik...“ und dann 15 Minuten heranschleimendes Einfühlvermögen des Sprechers oder der Sprecherin. Mir wird kalt, aber nicht wegen des Wetters.

Qualitätsrundfunk. Redaktionell weniger solide als die Wikipedia, und das will schon etwas heißen.

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