Dienstag, 3. Januar 2012

Landkarte der Zeit - schnell und nicht voll befriedigt gelesen

Weihnachten war der Anlass, zu Silvester als Geschenk erhalten: Félix J. Palmas „Landkarte der Zeit“. Vorgestern und gestern gelesen, heute nur noch die restlichen 50 Seiten.

Aus dem Tempo der Lektüre lässt sich keine Qualitätsaussage ableiten. Abschnitte, die sich mit Interesse lesen ließen, wechselten sich mit solchen ab, an deren Ende ich froh war, sie hinter mir lassen zu können. Mein Eindruck ist zwiespältig. Anspielungen auf verwandte Stoffe finde ich beispielsweise ja tendenziell gut, vermutlich bin ich dem Wimmelbildalter nie entwachsen. Damit wird man reichlich bedient - und selbst wenn man den früheren Gouvernator von Kalifornien nie in seiner Zeitreiserolle gesehen hat (zähle mich dazu), lassen sich hier Anspielungen interpolieren. Die Horde der Amazon-Rezensenten findet das in Teilen nicht ansprechend, aber dazu gleich noch zwei böse Worte.

Richtig geärgert hat mich eine sprachliche Festlegung des Romans, die vielleicht auch dem Übersetzer (Willi Zurbrüggen) anzukreiden ist - ich hätte das jedenfalls hinfortlektoriert -: Das unsympathische Personal zeigt desöfteren „schleimige“ Gesichtszüge. „Schmierig“ hätte mir da besser gefallen.

Über den Inhalt will ich gar nichts sagen, da mag man bei den wilden Frauen nachschlagen und genügend entspoilerte Anmerkungen finden (1. böses Wort). Ein bisschen klüger wurde ich immerhin jetzt beim Nachschlagen: die „Baedecker“-Problematik hatte ich bisher anders im Kopf als im Roman angelegt - und stelle fest, dass Palma richtig liegt. Beim Lesen hatte ich mich noch geärgert, weil ich dachte, die Baedecker-Flüge seien eine britische Erfindung gewesen (dabei wurden sie nur von ihnen konsequent durchgeführt).

In den Amazon-Rezensionen (2. böse Bemerkung) fehlt einer ganzen Anzahl von Lesern jeder Blick für Erzählkonventionen des 19. Jahrhunderts. Man stört sich z.B. daran, dass der allwissende Autor sich ab und zu mit belehrenden oder interpretierenden Äußerungen in den Fluss seiner Erzählung einschaltet. Großer Literaturverstand ist bei Amazon offenbar nicht zu finden, jedenfalls nicht bei Büchern, die mehr als eine Handvoll (offensichtlich unbestochene) Besprechungen aufweisen.

Das aber dürfte nicht das zentrale Problem dieses Romans sein. Eher vielleicht, dass ich keines fand.

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