Donnerstag, 19. Januar 2012

Struggle for wife? - Journalistinnen schreiben Geschlechterverhältnisfeuilletons, mal wieder


Obwohl ich ein paar tausend Zeitungsartikel als Ausschnitte in meinem Archiv habe und auch eine bizarre Menge als Dateien auf der Festplatte, eingescannt oder anderweitig digital gesichert, eine Textsorte findet sich noch nicht einmal als Fragment im Promillebereich: Feuilletons von Frauen über Männer und deren angeblich zeittypisch-neuartig krisenhaftes Auftreten im struggle for wife. Was nichts daran ändert, dass dieses vermeintliche Thema doch gefühlt alle fünf bis zehn Jahre frisch von Journalistinnen entdeckt wird. (Über das Wort „ent-decken“ würde ich ja gerne ein bisschen heideggern, aber lassen wir das lieber.)

Darum bin ich auf meine Erinnerung angewiesen: Haben nicht Journalistinnen, die betagt zu nennen die Höflichkeit, aber nicht der Realitätssinn verböte, Damen wie Barbara Sichtermann oder Cora Stephan schon vor 20 oder 30 Jahren dieses schmarrenhafte Zeug geschrieben, wie Männer zu sein hätten oder schlimmer noch: Wie die XY-Chromosomträger neben ihrer Biologie noch an modisch-politischen Neo-Geschlechtsklischees litten, wie sie sie zu erfüllen hofften und ausgerechnet und auch wieder damit den XX-Chromosomalistinnen ins Triebleben pfuschten? Macker hin, Softie her: Wie überträgt man das doch eher frauentypische Double-binding in eine geschlechtersoziologische Projektionsphantasie?

Ich bilde mir ein, die ersten Texte dieser Art um das Jahr 1987 herum schon bescheuert gefunden zu haben. Aber für eine archivalisch belegte Genealogie des Unfugs fehlt mir, wie gesagt, der Stoff. (Vielleicht findet ja mal eine angehende Germanistin einen Typen, der ihr die Magisterarbeit darüber schreibt - um die alte Harry-Rowohlt-Definition des Begriffs „Studentin“ zu variieren.)

Wenn Männer mit dem Unterleib recherchieren, wird daraus irgendein Playboy- oder Playboy-Derivat-Schmierartikel. Glücklicherweise lässt man Männern in seriösen Medien derlei eher nicht durchgehen: Welcher Mann würde heute Artikel über das Scheitern von realen Frauen an journalistisch herbeiphantasierten Frauenbildern verfassen dürfen, wer würde sie publizieren?

Männer haben journalistisch besseres zu tun, hoffentlich. Frauen leider nicht immer. Mir fiel im SPIEGEL vom Montag der erste frische Mist dieser genderanalytischen Phantastik auf (schon im Altpapier), Jenny Friedrich-Freksa legt in der FAZ nach, Nina Pauer hat in der ZEIT bereits vorgelegt.

Mir schwebt zur Unterbindung solcher Artikel ja vor, die Urheberinnen für ein paar Jahre in ein Frauenkloster zu sperren. Nach einer Weile ortstypischer Beißerei wäre der feine Sinn für die sozialen Distinktionen im XY-Sektor dann hoffentlich ausgeschwitzt.

Aber ich merke, ich vergesse mich.





+++ Tippfehler in der Überschrift +++
Jetzt bereinigt. Der liebe Nachbar in der Wohnung über meinem Kopf hat die Nacht besinnungslos durchgelärmt. Tippfehlerfreiheit ist da schwer zu erreichen.


+++ Nachtrag 30.01.2012 +++


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