Donnerstag, 26. Januar 2012

Als dem Jagdmeister nicht der Jägermeister, sondern die Opiate mundeten



„Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
Die Liebe zur Natur und ihren Geschöpfen und die Freude an der Pürsch in Wald und Feld wurzelt tief im deutschen Volk. Aufgebaut auf uralter germanischer Überlieferung , hat sich so im Laufe der Jahrhunderte die edle Kunst des deutschen Waidwerks entwickelt. Für alle Zukunft sollen Wild und Jagd als wertvolle deutsche Volksgüter dem deutschen Volk erhalten bleiben, die Liebe des Deutschen zur heimatlichen Scholle vertiefen, seine Lebenskraft stärken und ihm Erholung bringen von der Arbeit des Tages.
Die Pflicht eines rechten Jägers ist es, das Wild nicht nur zu jagen, sondern auch zu hegen und zu pflegen, damit ein artenreicher, kräftiger und gesunder Wildstand entstehe und erhalten bleibe. Die Grenze der Hege muß freilich sein die Rücksicht auf die Bedürfnisse der Landeskultur, vor allem der Landwirtschaft und Forstwirtschaft.“
Und so weiter. Als das Bundesverfassungsgericht, ich glaube erstmals in seinem Urteil zum Grundlagenvertrag auf die Bedeutung von Präambeln für die Auslegung normativer Texte zu sprechen kam, dürfte unter den Richtern kein Humorist (jedenfalls kein Humorist erster Ordnung) gewesen sein. Denn es ist ja doch zu reizend, was sich deutsche Normgeber schon zurechtgeschwurbelt haben.

Aber darauf komme ich lieber einmal bei anderer Gelegenheit (die Geschichte mit den Opiaten vielleicht auch später, immerhin spielten sie in den Nürnberger Prozessen ja noch eine Rolle).

Mein Ausgangspunkt war der folgende: In seinem schwergewichtigen Buch „Der Traum von der Wildnis“ macht Simon Schama diese hübsche Bemerkung:
„Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn war es Görings Lieblingsbeschäftigung, Gegner, Rivalen und Hirsche mit großen Geweihen zu jagen, wobei der Unterschied darin bestand, daß er vor den Vierbeinern gehörigen Respekt hatte. [...] Das Gesetz machte Göring selbst zum ersten Reichsjägermeister (das legitimierte ihn, sich wie ein Statist aus dem Freischütz zu kostümieren) und sah die Todesstrafe für jeden vor, der es wagte, einen Adler zu töten.“
Die Aussage am Schluss von Schamas Zitat löste eine Suche nach dem Reichsjagdgesetz aus, fündig wurde ich in der Österreichischen Nationalbibliothek, die das Reichsgesetzblatt dankenswerter Weise zu größeren Teilen als Digitalressource vorrätig hält.

Das Wort zum Adler ist auf dieser Grundlage Unfug, allerdings dürfte es im Maßnahmestaat nicht sonderlich auf die gedruckte Norm angekommen sein.










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