Mittwoch, 14. Dezember 2011

Amundsen saß also ein Jahr fest

Soeben vermeldet der RSS-Feed des Westdeutschen Rundfunks:
WDR 3/WDR 5 ZeitZeichen: 14. Dezember 1912: Roald Amundsen erreicht den Südpol
Arg kalt.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Der talentierte Herr Guttenberg

Nette Überschrift in der FAZ, heute.

Die fleischgewordene Beleidigung des redlichen Wissenschaftsnachwuchses deutscher Sprache soll nun also Neelie Kroes, der sogenannten EU-Kommissarin für die sogenannte „Digitale Agenda“, zuarbeiten. Es handele sich bei dem um seine Plagiate herumschwindelnden, schwer von sich selbst Überzeugten um einen talentieren Mann.

Um es ausnahmsweise drastisch zu formulieren: Werden EU-Bedienstete vor ihrer Einstellung eigentlich auf ihren Gesundheitszustand, namentlich auf ihre Geistesverfassung hin untersucht?

Und ich meine nicht KTG, der sich hier ja vermutlich entweder nur weiter öffentlich unmöglich macht (Variante harmlos) oder den nächsten Schritt auf die Gründung einer populistischen Partei macht - weil dem Narziss immerhin die völlig verblödeten Parallelweltler nacheifern - (Variante schlimm), eine Frage nach ihrer politischen, moralischen - und ja auch - intellektuellen Verfassung wirft hier auf:

Frau Neelie Kroes.

Ein Fall für die Rente mit 67. Denn eigentlich dürfte Frau Kroes mit diesem Schwundkommissariat ja selbst wenig genug zu tun haben.



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Donnerstag, 8. Dezember 2011

Birkenbihl verstorben

Zu den gleichsam ungelesensten Büchern unter manch zumindest quer- oder flüchtig gelesenen Werken zählt eines von Vera F. Birkenbihl. Ich weiß gar nicht, wie es überhaupt ins Regal gekommen ist, die esoterische Anmutung leistete das Übrige zur völligen Ignoranz.

Nun steht in der FAZ von heute eine Todesanzeige: Vera F. Birkenbihl, geboren am 26. April 1946 und am 3. Dezember 2011 verstorben, die Bestattung erfolgt am 9. Dezember in Hambergen. Um Spenden wird gebeten für eine Organisation mit einer esoterisch-militanten Namensgebung, sofern sich das schmalspur-ferndiagnostisch sagen lässt.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Bekommen Plagiats-Decouvierer vermehrt Kinder?



Dieser Tage setzte ich auf einen Amazon-Wunschzettel, genauer gesagt auf diesen


einen Titel von Benjamin Lahusen, genauer gesagt:
„Rechtspositivismus und juristische Methode: Betrachtungen aus dem Alltag einer Vernunftehe“
Lahusen hatte sich vor einigen Jahren dem Werk des Berliner Gelehrten Schwintowski angenommen (PDF), ein hübscher Vorgang, der wohl dermaleinst zur Vorgeschichte der Guttenberg-Affäre gezählt werden wird, was - wenn man die Antiplagiatsarbeit von Kritischer Justiz, Rechtshistorischem Journal, Rechtsgeschichte und myops kennt - nicht ganz fair ist.

Um aber zur Pointe zu kommen: Amazon schlägt mir, weil ich Lahusens „Rechtspositivismus“ auf den Wunschzettel gesetzt habe, den folgenden Titel vor:
was man entweder als Hinweis auf die Familiengründungspraxis redlicher Nachwuchsakademiker werten könnte oder als Beleg dafür, dass die letzteren ganz besonders aufgeweckten Nachwuchs in die Welt setzen.

Bei vergleichsweise exklusiven Werken kann die elektronische Welt verdammt indiskret werden. 


 


Süperstatistik: Sexualphantasie noch nicht einmal alle sieben Minuten


Eine US-amerikanische Psychologin wird vom SPIEGEL befragt (Nr. 49 vom 5.12.2011), was es mit der Sex-Besessenheit von Männern (im Vergleich zu diesen bizarren, etwas anders gestrickten Menschen) auf sich habe. Terri Fisher von einer hoffentlich hochgradig weltstädtischen Hochschule im brummenden Ohio antwortet dem leider anonym bleibenden Fragesteller vom Hamburger Nachrichtenmagazin, ob es denn richtig sei, dass Männer alle sieben Sekunden von einer sexuell eingefärbten Phantasie verfolgt würden:

Fisher: Alles Quatsch. Der durchschnittliche Mann tut dies noch nicht einmal alle sieben Minuten. Unsere aktuelle Studie mit mehr als 280 weiblichen und männlichen Collegestudenten zwischen 20 und 25 Jahren zeigt, dass Männer im Schnitt 19-mal am Tag sexuelle Phantasien haben, Frauen 10-mal. (aaO S. 149)
 Das ist ja einmal ein Wort. Aber welchen Wert hat es? Menschen in der - jedenfalls biologisch, in westlichen Ländern aber kaum mehr ökonomisch - besten Fortpflanzungsphase ihres Lebens denken doch noch gar so oft an Sex? Zapperlott! Und sind das nicht sogar Leute, die an einem College mit Gleichaltrigen zusammengepfercht sind?
Junge Leute, die in einem Land leben, das eine leicht obesessive Haltung zu den Breitengraden südlich der Gürtellinie pflegt und der Welt darum die umsatzstärkste Porno-Industrie und cineastische Meisterwerke wie „American Pie“geschenkt hat?

Da liegen statistische Schlüsse auf den „durchschnittlichen Mann“ natürlich äußerst nahe. Also auf die rund drei Milliarden XY-Chromosomträger weltweit, die nicht die Muße haben, ein US-College heimzusuchen.

Aber man muss den SPIEGEL-Autor nicht schelten (mutmaße: es ist eine Autorin, Männer kämen gar nicht erst darauf, der bescheuerten urban legend von den 7 sec. zu folgen). Eine angemessene Fragestrategie wäre es vielleicht gewesen, Ms. Fisher mit der - generell schwachen - Aussagekraft von psychologischen Untersuchungen zu konfrontieren, die an US-Bildungseinrichtungen durchgeführt werden.

Deren Ergebnisse stehen nämlich längst schon in der Kritik, sogar soweit es um sozial wenig überlagerte psychologische Fakten geht, etwa um kognitive Basisfähigkeiten (z.B. das Zahlenverständnis, räumliches Denken und ähnliches), die sich schon nicht bei Menschen an anderen Orten des Planeten wiederfinden lassen - wie etwa an einem College in Ohio. Sozialpsychologische Daten aus dem US-Bildungswesen zu verallgemeinern, ist dann erst recht trübe Wissenschaft.

Aber, wie gesagt und zugegeben: Das zu fragen hieße wohl, den lustigen Ansatz gleich totzurecherchieren.

Bild oben: Ein kölsches Pärchen, das gewiss nicht mehr statistisch erfasst wird.


Dienstag, 6. Dezember 2011

Gerd Koenen, Traumpfade der Weltrevolution, Köln, 2. Auflage 2008, 602 Seiten.
(Signatur 37A5379 Universitäts- und Stadtbibliothek Köln). Sonntag bis heute gelesen.

Eine Aussage dieses Buches darf ich kurzerhand empirisch widerlegen:
„Kurz und gut, man ist bei Che [Guevara] - der zu dieser Zeit zu den meistfotografierten Männern seiner Zeit gehörte - in der auratischen Sphäre des Starkults und Sexappeals, der zuweilen auf beide Geschlechter gleichermaßen wirkt und dem sich auch der nüchternste Geist oder wütendste Homophobe nicht völlig entziehen kann.“
Dem ist nicht so. Auf mich wirken eschatologische Naherwartungen und ihre Vertreter auf Erden stets abschreckend. Dazu bedarf es keiner Homophobie, Nüchternheit genügt völlig. Eine alberne Verallgemeinerung, dieser Satz auf Seite 546.

Im Übrigen natürlich ein höchst lesenswertes Buch, wie ebenfalls empirisch zu beweisen war.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Existenzrecht

Einer dieser Gedanken, die morgens um 3.00 Uhr auftreten, als Nachwirkung einer Tasse Ingwertee zuviel, abends, zuvor:

„Existenzrecht“ könnte sich als ähnlich heikle Vokabel herausstellen wie „Selbstbestimmungsrecht [der Völker]“.

Einzelne Menschen haben subjektive Rechte, aufaddiert möglicherweise zu kollektiven Rechten: Leben, Freiheit, Eigentum, beispielsweise. Kann es aber ein so existenzielles Recht geben, wie das auf Existenz? Wer da ist, dem werden subjektive Rechte zugerechnet (oder er muss sich um sie kümmern). Wer nicht da ist, hat diese Sorge nicht.

Als Vokabel der politischen Rhetorik wird „Existenzrecht“ ihre Funktion erfüllen. Ob sie aber anschlussfähig ist, was juristische Fragen betrifft, da habe ich erste Zweifel.