Sonntag, 30. Oktober 2011

„Murmelkreise“ - bedingte Neologismusanmeldung

Offenbar gibt es den Begriff bereits im therapeutischen Bereich, als bewusste Verfremdung des Begriffs „Mummelgreise“ finde ich ihn allerdings nur als unbewusste Sprachdeformate legathener Internetneozoen mit einem volksetymologischen „Murmelgreise“ im Hinterkopf:
Murmelkreise, die: Gruppe politisch verklüngelter Altvorderer, die öffentliche Kommunikation scheuen und sich im engeren Kreis murmelnd (tuschelnd) abstimmen, sodass man in ihnen unschwer auch Mummelgreise vermuten könnte. Also Leute, die sich vermummen.
Wie erwähnt: Der Begriff ist schon auffindbar, darum melde ich hiermit nur bedingt einen Neologismus eigener Urheberschaft an.

Samstag, 22. Oktober 2011

Las-Vegas-Regel gilt nicht im Fall RCDS Mannheim versus Professor NN

Es dürften wohl nicht wenige rätseln, wer in diesem Video so laut wird, weil auch Studentinnen und Studenten des sonst so gesitteten RCDS nicht aus dem Kindergartenalter herauskommen.



Was die Aufnahme in ein Blog mit dem Titel „gelesen & ungelesen“ rechtfertigt? - Auch wenn das Video gerade durch's Netz läuft, hat sich offenbar niemand die Mühe gemacht, in suchmaschinenkompatibler Weise anzumerken, ob hier Professor Dr. Dirk Engelmann oder Professor Dr. Carsten Trenkler die Stimme erhebt.

Für meinen Geschmack hätte man hier gerne die Las-Vegas-Regel anwenden können: Was im Hörsaal (ohne wissenschaftlichen Anspruch) geäußert wird, bleibt im Hörsaal (sonst würde ich ja heute noch z.B. über xenophobe Randbemerkungen des vomalig Köln-Mannheimer Privatdozenten Volker R., heute Professor in München, lästern).

Wenn man aber schon beginnt, die Diskretion zu brechen, sollte man es meines Erachtens mit einem vollständigen Bericht tun.


Nachtrag 24.11.2011: Wenn ich mir anschaue, welche Google-Suchen auf diesen Blogeintrag führten, scheint es einen Verdacht zugunsten (nun ja, zugunsten) eines der beiden Professores zu geben. Wer weiß, welcher Name welchen Kölner Bischofs aufgrund eines tragischen Ereignisses im Rheinland eine gewisse Bedeutung beim Erwerb von Familiennamen hatte, kann sich diese hiermit abzuschließende Andeutung erschließen. Nein, für Betriebswirte ist das keine leichte Übung.




Dienstag, 18. Oktober 2011

Reichsheulsuse

Wer sich dieser Tage in den TV-Kanal Sat1 verirrte, durfte gewiss sein, Werbung für eine U-Boot-Weltkrieg-II-Schmonzette sehen zu dürfen. Dietmar Dath hat über den Film heute in der FAZ eine hübsch-bösartige Abrechung veröffentlicht („Drei Herzchen im Bombenhagel“).

Mir ging im televisionären Strahlgewitter dieser Schmonzettenreklame der böse Gedanke durch den Kopf: „Ach, die Rolle der Reichsheulsuse ist neu besetzt.“ Mit der hübschen Frau C.

Interessant fand ich unterdessen, dass der Begriff „Reichsheulsuse“ von Google Search nur je bei einer Site der NPD und der pi-Nachrichten aufgefunden wurde, jeweils für die wahrhaft göttliche Claudia Roth. Glaube angesichts dieses Befunds nicht, dass im rechtsextremen Lager besondere Metaphernfestigkeit herrscht.

Nach meiner Erinnerung blieb der Begriff in selbiger kleben, als mein Herr Papa einst in irgendeiner ZDF-Ausstrahlung eines 1940er-Jahre-Films irgendeiner UFA-Schauspielerin gewahr wurde, die seinerzeit so genannt wurde.

Überlassen wir den hübschen Begriff Reichsheulsuse nicht den Herrschaften vom rechten Rand und schon gar nicht zur Bezeichnung der gestandenen Frau Roth. Claudia Roth reizt mich zwar auch sehr, aber dank Sat1 gibt es ja nun eine jedenfalls von rechtsextremer Metaphernversuchung bereinigte Alternative.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Unwilliges Aufgrunzen: Berthold Kohler und das kleinvölkische Reservat

Heute findet sich auf der ersten Seite der staatstragenden Zeitung aus Frankfurt ein Kommentar von Berthold Kohler, der sich mit dem Widerstand der Slowakei gegen den sog. Stabilitätspakt befasst.

Kohler schreibt von der Slowakei als einem „Reservat“, das die Tschechen ihren einstigen Landsleuten errichtet hätten und nennt den Widerstand „kleinvölkisch“.

Ich bin ja nicht kleinlich, wenn es um die sogenannte politische Korrektheit geht, aber derlei Schreiberei entlöckt mir doch ein unwilliges Grunzen.

Worte will man zu dieser Ausdrucksweise ja wirklich nicht verlieren.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Diskretion ist ja schön und gut

Constanze von Bullion hat für die Süddeutsche vom vergangenen Montag ein Stück über Klaus Wowereit geschrieben, reichlich ad personam, nicht unbedingt mein Geschmack. Mir ist der Mann nicht sonderlich sympathisch, über SPD-Politik in Großstädten im Allgemeinen und in Großberlin im Besonderen ließe sich sicherlich grandios Boshaftes im Stil von Michael Dobbs „House of Cards“-Trilogie schreiben. Klüngel, Kleinkorruption, Machtspiele um des Spiels statt des Inhalts willen. Das findet man überall, wie ich glaube: Verschärft bei der alten Tante SPD. Da liefert Frau von Bullion vermutlich noch einen Beitrag von der überschaubar gehässigen Sorte.

Als Nicht-SZ-Leser wäre mir der Seite-3-Artikel völlig entgangen, wäre heute nicht eine Kritik am Bullion'schen Produkt von „Nice Bastard“ via Bildblog beworben worden. Dorin Popa beanstandet, dass die SZ ausführlich aus dem Abiturzeugnis von Klaus Wowereit zitiert habe. Die Zeugnisnoten werden in der Kritik durch X'' ersetzt.

Im E-Paper der Süddeutschen lese ich nach:
Klaus Wowereit, steht da, darunter ein Panoptikum eher begrenzter Strebsamkeit. Deutsch 2, Politische Weltkunde 3, Englisch 3, Mathe 3, Sozialwissenschaften 1, Sport 4. Na ja, sagt Podlowski, es gab da immer ein gewisses Phlegma. Also, in körperlicher Hinsicht. Chemie und Physik wurden abgelegt, die Facharbeit hat der Schüler über „antagonistisches Verhalten bei Mäusen" verfasst.
Nichts, wofür man sich schämen müsste, nichts besonders rühmenswertes. Die Kritik geht allerdings weiter: Mit der Veröffentlichung werde in den Kernbereich des Persönlichkeitsrechts eingegriffen und würde das Datenschutzrecht verletzt.

Diese Kritik halte ich für fragwürdig. Weil sich die Vertreter politischer Parteien heute kaum noch durch ideologische/programmatische Überzeugungen auszeichnen, sollte es der Öffentlichkeit möglich sein, sich wenigstens ein Bild von soetwas wie biographischer Kohärenz (oder Brüchen im Lebenslauf) machen zu können. Walter Momper wurde seinerzeit dafür benasrümpft, dass er sich öffentlich nonchalant zu seinen Kleindiebstählen zu Jugendzeiten geäußert hatte; wäre damals eine Jugendstrafakte hervorgezerrt worden, hätte ich das nur unter der Bedingung gutgeheißen: Momper hätte sich als strafpolitischer Scharfmacher hervortun müssen. Aber eine alte Strafakte wäre selbst dann noch von einer anderen Qualität gewesen als ein Schulzeugnis.

Ein Abiturzeugnis, nun ja. Sind 18- oder 19-Jährige nicht halbwegs volljährig, halbwegs eigenverantwortlich und zeichnet sich nicht einigermaßen ab, was aus den jungen Leuten mal werden könnte? Oder ist noch alles, zu vieles möglich, als dass man dem albernen schulbürokratischen Schrieb allzu große Bedeutung zumessen sollte?

Ich will das nicht beurteilen. Abiturnoten einer Kernregion des Persönlichkeitsrechts zuzuordnen, finde ich allerdings etwas albern. Und auch gefährlich für die öffentliche Auseinandersetzung, wenn man bedenkt, was sich alles hinter dem Schleier des Datenschutzes verbergen ließe.









Dienstag, 4. Oktober 2011

Helmut Schmidt, das Staatsorakel

Prüfte vorhin den Satz: Die Sowjetunion ist ein Obervolta mit Raketen. bzw. Die Sowjetunion ist ein Obervolta mit Atomraketen.
Meine Erinnerung als lesender Schüler (1990er-Jahre) gab her, dass der boshafte Satz von einem US-Botschafter stammte, genaueres Nachschlagen ergab: Vernon Walters.

Wen aber hält man heutzutage in Deutschland bei markanten Sprüchen dieses Formats aber für alleinzuständig: Helmut Schmidt.


Würde mich keine Sekunde wundern, wenn die Zuschreibung von Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen. ebenfalls keineswegs von Schmidt stammen.






+++ Nachtrag 30.01.2012 +++
Hier wird zwar die Auffassung vertreten, man könne jedes Zitat Abraham Lincoln oder Johann Wolfgang Goethe in die Schuhe schieben, ich aber sage: Man kann jedes Lincoln- oder Goethezitat Herr Schmidt zuschreiben.

FAZ-Online-Relaunch - Feed-Schlamperei?


Nachdem sich in meinem Outlook-Konto die doppelt, dreifach abgerufenen und zudem jeweils fachfremden Feed-Beiträge der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) tummelten - offenbar Resultat des ebenso neuen wie überraschenden Relaunchs, habe ich meine bestehenden Eingänge archiviert (Adobe Acrobat X Pro), gar nicht so unpraktisch) und die Abonnements gelöscht.

Ich möchte nicht behaupten, dass die vielleicht 50 Klicks, die ich vielleicht am Tag bei der großen Zeitung aus Frankfurt generiert habe, irgendwie auch nur ansatzweise schmerzhaft wären, aber hinter diesem Relaunch scheint nur ein begrenzt kluger Kopf gesteckt zu haben - oder soll man etwa annehmen, alle Nutzer des Feed-Angebots seien netaffiner als ich? (Und ich bin's weiß Gott begrenzt.)

Martin Rath