Mittwoch, 10. August 2011

Miklòs Hernádi, Lektürerapport - und leider schon wieder: dumme Süddeutsche

Miklòs Hernádi: Weiningers Ende. Ein Kriminalroman. Frankfurt am Main (Eichborn) 1993, 372 Seiten (kostete via Amazon 6,97 €)

Oberinspektor Maximilian Barner von der k.u.k. Staatspolizei ermittelt auf eigene Faust im Todesfall Otto Weininger. Er stößt auf Hinweise im zionistischen und bolschewistischen „Umfeld“, die eine Ermordung Weiningers nahelegen. Hernádi entführt den Leser in die schräge Kultur Wiens, kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert.

Mir hat das gut gefallen, historisch nicht Interessierte werden das kulturhistorische Panorama aber vermutlich eher bräsig finden. Ich war nach drei Tagen durch, die lange Lesedauer hing mit diätischer Zeiteinteilung zusammen, zu der das gemächliche Erzähltempo einlud.

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Beim Nachschlagen in den Auswürfen einer großen kalifornischen Suchmaschine, prüfend, ob sich hier noch Weiteres verlinken ließ, stieß ich auf einen Angeberartikel, der einmal mehr davon zeugt, dass sich die sogenannten Qualitätsmedien durch die Einsparung anständiger Endkorrektur- und Dokumentarredaktionen selbst verdummt haben. Es heißt bei den Münchener Meinungsführern:

„Dem ungarischen Autoren Miklós Hernádi wird folgendes Zitat nachgesagt, das nur auf den ersten Blick versöhnlich wirkt:

"Feminismus war nichts anderes als die Fortsetzung des Flirts mit anderen Mitteln."

Mitnichten. Hernádi lässt den Gedanken von seiner Figur Barner äußern. Bei Zitaten darf man gerne korrekt sein oder sie bleiben lassen.

Schlage vor, den Autor dieses Artikels im Kerker des Guttenberg'schen Anwesens unterzubringen und den Herrn Staatsanwalt a.D. Prantl als dämonisch lachenden Wächter herumspuken zu lassen.



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