Donnerstag, 25. August 2011

Das große Gripschen von Hen Hermanns

Hen Hermanns: „Das große Gripschen“ Düsseldorf-Krimi, Köln (Emons) 2001. Seinerzeit DM 17,80 bzw. 9,00 € - jetzt für 0,98 € plus Porto zu haben

Hen Hermanns' in Köln spielende Krimis mit ihrer Hauptfigur, dem aus der Werbebranche entlaufenen Privatermittler Max Reinartz, las ich vor Jahren - witzige, intelligente Geschichten. Die Suche nach mehr vom Gleichen blieb in der seither verflossenen Zeit erfolglos.

Zufällig stieß ich am vergangenen Sonntag auf Hermanns Düsseldorf-Krimi. Dass ich mich vor der Bestellung nicht schlau darüber gemacht hatte, hier keinen Reinartz-Plot geliefert zu bekommen, zog keine Enttäuschung nach sich - das Personal ist wirklich herzerwärmend: ein professionell-illegaler Geldeintreiber mit solide soziopathischer Intelligenz, ein trieb- und antriebsschwacher Macht-was-mit-Medienmensch, ein Makler, dessen Verstand vom Kokain über den Jordan getragen wurde, russische Entrepreneurs, ein professioneller Großbetrüger mit Fett- und Drogenproblem etc. etc.


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Am Karl-, Karls- beziehungsweise Carlsplatz lässt sich der Großbetrüger von inferioren Security-Leuten u.a. vor russischen Entrepreneuren beschützen

Verwoben werden in der Geschichte mehrere Schatzsuchen - nach dem Geld des Großbetrügers, nach einem erfolgreichen Drogendeal, nicht zuletzt: nach einem Sexualpartner (m/w). Auf 172 Seiten bekommt das ordentlich Tempo, lustig die Anspielungen auf die Dotcom-Blasenbewohner der Zeit ums Jahr 2000 herum. (Die Darstellung des kokainabhängigen Maklers ist von wahrhaft bösartig-schöner Qualität.)

Einzig der biografische Epilog der Story hat ein, zwei unplausible Aspekte. Was soll etwa die Duisburger Frisöse in Florida? Und der spät als solcher eingeführte Sankt-Martins-Mörder erklärt sich auch nicht wirklich (mea culpa: ein paar Kilometer südlich vom Handlungsort aufgewachsen, kannte ich den Begriff „Gripschen“ nicht).


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Kein Wunder, dass eine Fahrt über die Felder von Düsseldorf nach Duisburg vorkommt

Von den Kleinigkeiten am Schluss abgesehen: Schade, dass Hen Hermanns sein Geld mit Werbung verdienen muss. Man hätte gerne mehr Krimis wie diesen.

Schon, weil man ja nicht alles selber machen kann:

Martin Rath



1 Kommentar:

Hen Hermanns hat gesagt…

Über so eine freundliche Besprechung freut sich der Autor natürlich.

Grüße
Hen Hermanns