Donnerstag, 18. August 2011

Christian Pfeiffer ist Rheingold?

Wenn ich lese, dass der berühmte niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer in der FAZ (von heute, Seite 3) mit einer luziden Aussage zu den Auto-Brandstiftungen von Berlin wiedergegeben wird
Die Polizei schätzt, dass die Hälfte der Brandstiftungen an Autos im weitesten Sinn linksradikal motiviert ist. Doch gesichertes Wissen über die Täter und ihre Motive gibt es nicht; [...] Der Kriminologe Christian Pfeiffer spricht vom „Powergefühl", das der Anblick brennender Autos und der Machtlosigkeit aller anderen bei den Tätern erzeugt.
dann gedenke ich einer Medienmacht, die aus dem einst gern gelesenen sozialwissenschaftlichen Forscher einen Erklärungsherbeihexer von zweifelhaftem Wert gemacht hat.

Ob sich das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen, das Christian Pfeiffer dirigiert, vielleicht neben das Kölner Rheingold-Institut einreihen sollte, das ähnlich luzide Erkenntnisse über die Medien streut?

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Nebenbei: Ich stelle bei mir selbst ein aggressives Gefühl von Hilflosigkeit fest, wenn ich morgens vor meiner Haustüre mit einer Person besetzte SUVs in schönstem Zuhälterweiß oder -schwarz vorbreibrausen sehe, weil dem gehobenen Angestellten von Welt die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel innerstädtisch nicht zumutbar ist. Mit dieser Introspektion möchte ich nicht die Spur einer Rechtfertigung für Brandstifterinnen und Brandstifter hinterlassen; ein Jahr Freiheitsentzug sollte tatsächlich das Minium an Konsequenz sein. Aber die Erklärung des Medienprofessors lässt sich offenbar aus der Hüfte heraus auch um 180 Grad drehen. Ob er solide Forschung dazu hat? Scheint mir angesichts eines aktiven Dunkelfelds zweifelhaft.


Martin Rath



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