Dienstag, 23. August 2011

Anfall von Ahnungslosigkeit

Ich muss gestehen, dass ich in einer Frage möglicherweise völlig ahnungslos bin. Erschütternder Zustand, wahrlich. Es geht um die Formel, die das Deckblatt (ja, ja, eigentlich ist es auch nicht unbedingt das Deckblatt) von Doktorarbeiten ziert.

Meist bekomme ich Dissertationsschriften aus den Rechtswissenschaften zu Gesicht. Hier findet sich regelmäßig die Formel „Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer Hohen ... Fakultät ...“.

Nun finde ich auf der Arbeit eines anderen Faches: „Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Hohen ... Fakultät ...“

Meine Hypothese zur Lösung der Frage: An Universitäten, die sich der mittelalterlichen Tradition verschrieben fühlen, wurden - oder werden? - juristische Doktorwürden für weltliches und/oder göttliches Recht verliehen. Weil der gemeine Juristendoktor aber nur weltliches Recht gepaukt hat, segnet ihn nur die eine (von zwei) Fakultäten.

Dort, wo die Einheit der (formalen) Wissenschaft, die gelehrt wurde, als gegeben vorausgesetzt wird (Naturwissenschaften, Medizin, Ökonomie), genügt der bestimmte Artikel.

Es fragt sich aber: Stimmt diese Hypothese oder gibt es eine alternative Erklärung für die unterschiedlichen Artikel? Ich würde mich über hinreichende Erklärungen freuen.


P.S.: In meiner Lästerlichkeit ging mir durch den Kopf, dass die medizinischen Fakultäten auf dem besten Weg sind, ebenfalls zur Distinktionsandeutung übergehen zu müssen. Es gibt Doktoren für echte, evidenzbasierte Medizin. Für Homöopathen, Rudolf-Steiner-Krötenpopo-Küsser oder fernöstlich inspirierte Quacksalber müsste es dann den anderen Titel geben.

Keine Kommentare: