Freitag, 29. Juli 2011

Was ist es, das uns geschmacklos denken lässt, abgeschmackt, geschmäcklerisch?

Zugegeben, die Überschrift dieses Postings ist ein etwas bemühter Versuch, sich an Dantons Grübelei anzulehnen, wie sie Georg Büchner erfunden hat.

Manchmal erwische ich mich aber bei diesen kabarettistischen Gedanken (Gallenstufe Beltz forte), wie heute bei der Lektüre von Seite 1 der SZ vom Mittwoch. Das Titelthema steht unter der Überschrift (zum norwegischen Massenmörder):
Verteidiger hält Breivik für geisteskrank
Im Kasten unter dem Titelhauptthema, in dem die SZ-Redaktion gern allerlei moralische Fragen abhandelt, finden sich folgende Überschriften:
Das Leid der Lokführer
Angehörige eines Selbstmörders sollen Schmerzensgeld zahlen
Was denkt das schwarzgallige Gehirn? Das denkt es fröhlich vor sich hin: Wären Lokführer mental wie Breivik gestrickt, würden die Eisenbahn-Suizide weniger Leid produzieren.

Aber über die soziale Funktion von Psycho- und Soziopathen wird ja insgesamt ungern nachgedacht. Ich vermute, das hängt mit einer Art umgekehrtem Barnum-Effekt zusammen: Einige der negativen Eigenschaften entdeckt auch der freundlichste Gemütsmensch an sich, darum mag er sich mit der ganzen Übelkrähe (Ü.-: keine Anspielung auf ihn, eher schon auf ihn) nicht mehr auseinandersetzen.


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