Mittwoch, 13. Juli 2011

Political Correctness Anno pief

Political correctness ist keine Erfindung der Gegenwart. Vor 100 Jahren dürfte es in akademischen Kreisen selbstverständlich (unwidersprochen, bei Widerspruch mit diffus gehaltenem Rechtfertigungsaufwand versehen) gewesen sein, beispielsweise
  • einen „gepflegten“, nicht direkt gewaltbereiten Antisemitismus zu kultivieren;
  • anti-egalitär und anti-intellektuell aufzutreten (den „Intellektuellen“ hatten den Franzosen gerade erst in der Dreyfus-Affäre erfunden);
  • so hübsche Dinge wie die Bestrafung sozialdemokratischer Bergarbeiter zu goutieren, weil sie einen Grabzug angeblich zur politischen Demonstration umgewidmet hatten.
In Italien z.B. dürfte vor 100 Jahren der Mief eines talibankompatiblen Katholizismus - Taliban? Quatsch! ecclesia triumphans - in jede kulturelle Nische hineingewirkt haben. Das sollte man vielleicht mitbedenken, bevor man heute allzu forsch den armen Antonio Gramsci zum Vordenker angeblicher „political correctness“-Kartelle rot-grüner Bauart erhebt, wie das Klaus Schroeder in diesem Politischen Feuilleton tut.

So bescheuert ich vieles finde, was heute als pc gilt: zum Beispiel die sogenannte „geschlechtersensible Sprache“ - bei allen vermeintlichen pc-Kartellen linksgrüner Art denke ich gelegentlich an eine Zeit, in der das pc-Kartell von vernarbten Korpstudenten gepflegt wurde.

Man muss die diskussionserschwerende Wirkung heutiger intellektueller Moden nicht lieben, aber die „SiegerInnen“ oder geschlechtersensiblen „Siegenden“ von heute waren das nicht immer.

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