Montag, 26. April 2010

Melvin, ein Sympathieträger

einzlkind: „Harold“ | Berlin | Edition Tiamat | 2010

Bin jetzt auf Seite 154 und entdecke in Melvin, der 11-jährigen, verschrobenen, überbordend belesenen kleinen Mistkröte bisher nur alteregoistische Sympathiewerte.

Wer wohl hinter dem rätselhaften Pseudonym „einzlkind“ steht? Ich vermute fast, die Lektorin, Gabriele Monjau, hat den Autor in irgendeinem Irishpub in Düsseldorf aufgegabelt (das Verrräuchertrothaarige des Porträtbildes spräche dafür). Was jedenfalls freundlicher geunkt ist als das Gekröte, das zu diesem Roman im Hessischen Rundfunk gequakt wurde.

Montag, 19. April 2010

Erregte Krebse

Trotzdem hat oft ein ungutes Gefühl, wer sein Essen in der Mikrowelle zubereitet. Einst von Ernährungswissenschaftlern ausgesprochene Warnungen vor Krebs erregender Strahlung, die auch noch die Nährstoffe im Essen zerstört, geistern im Hinterkopf herum. (Quelle)
Ich lese derzeit „Der Schwarm“ von Frank Schätzing, weil ich - als das Buch damals herauskam - anderweitig beschäftigt war. Darum weiß ich jetzt, dass Krustentiere von bösen ozeanischen Strippenzieherkreaturen, den sogenannten Yrr, erregt werden.

Ich kann mir natürlich vorstellen, dass sich Krebse auch von Mikrowellen erregen lassen, so wie komische Menschen vom millieuspezifischen Rotlicht, ich fürchte aber, dass diese Wendung von Jasmin Michels im „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht gemeint war.

Ich persönlich tendiere grundsätzlich dazu, mit Sprache möglichst starke Distinktionsmöglichkeiten zu erzeugen (insbesondere Lyriker und andere Sprachspieler sind ihrer bedürftig), statt halbgare Alternativen als korrekt darzustellen.