Sonntag, 14. Februar 2010

100% gelesen: Bevers Globke-Reportage

Jürgen Bevers | Der Mann hinter Adenauer | Hans Globkes Aufstieg vom NS-Juristen zur Grauen Eminenz der Bonner Republik | Berlin | Christoph Links Verlag | 2009 | 240 Seiten | Signatur USB Köln 37A5375

Für den Leser, der über die Anfangsjahre der - je nach Zählung zweiten oder dritten - deutschen Republik wenig weiß, also über Entnazifizierung, „Wiederjudmachung“ (Henryk Broder) oder die üblen Züge einer - von nicht kleinen Teilen des Beamtentums - als CDU-Eigentum begriffenen Staatsordnung, kurz: Wer vom „Adenauer-Staat“ diesseits der DDR-Propaganda nichts weiß, wird hier eine nicht ganz uninteressante Studie in Grau-Braun finden.

Ich bin schon ein bisschen über die ersten 15 Jahre der Bundesrepublik Deutschland (und erst recht über die 12 Jahre vor dem) unterrichtet. In Verbindung mit einem Schreibstil, der doch sehr die Materialherkunft aus der Produktion einer TV-Dokumentation durchscheinen lässt, ergab das vorliegende Buch für mich leider keine sehr spannende Lektüre.

Vermutlich wird mir, mangels wirklich packend neuer Informationen, im Gedächtnis bleiben, dass Hans Maria Globke gebürtiger Düsseldorfer war. Was, boshaftes Denken vorausgesetzt, die klassischen Köln-Düsseldorf-Animositäten auf ein neues Niveau bringt.

Ich finde es ein bisschen schade, dass die Figur Globke hier nicht systematisch eingeordnet wird, sei es in einen mehr kulturgeschichtlichen Kontext der „grauen Eminenzen“, von der Möchtegern-Eminenz Niccolo Machiavelli bis hin zu den noch nicht einmal mehr mediokren SMS-Freundeskreiskreaturen der amtierenden Frau Bundeskanzler.
Oder, was dem Zeithistoriker möglich gewesen wäre: Die Einordnung in die Entwicklung der Parteiendemokratie Westdeutschlands.

Oder, mit mehr Spannung zu lesen, wäre hübsch geraten: eine stärkere Zeichnung von Gegenspielern - es gärt einem ja schon sauer im Kopf, dass „linke“ Intellektualität sich heute mit Kurt Beck oder Joseph Maria Fischer begnügt -, wo es doch einen Adolf Arndt gab., der zu ebenjenen zählte und hier vielleicht trefflich ins Gedächtnis hätte gerufen werden können.

Ich würde jederzeit zumindest die hübsch-böse Adenauer-Biografie von Henning Köhler zum Lektürebeiverzehr empfehlen: Nachdem uns das historische Bewusstsein deutscher Vergangenheit vor 1933 mehr oder minder abhanden gekommen ist, böte es sich dringend an, die vergangenen 60 Jahre stärker zu erschließen - schon damit sich gegenwärtige und künftige Politikergenerationen sich auf höherem rhetorischen Niveau zanken als Philipp Missfelder oder Guido Westerwelle.

(Off topic: FBI-Chefqualitäten scheint der böse Globke nicht gehabt zu haben, denn der erste homosexuelle Außenminister der Bundesrepublik hieß bekanntlich nicht Westerwelle. Ein Hoover war Globke wohl denn immerhin nicht.)

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