Montag, 15. Februar 2010

Berufskrankheit eines professionellen Korrekturlesers - mit jahreszeitlicher Konzession am Posting-Schluss




Ganz oben finden Sie hier einen Screenshot aus der aktuellen Ausgabe von Bild am Montagdes Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL: Ein „Hohlspiegel“-Eintrag, der die von Claus Koch vor 21 Jahren konstatierte Angestelltenmoral des Magazins bestätigt. Über derlei mag man im Büro lachen.

Was es zu Zeiten von Kochs Diagnose der „Meinungsführer“ (vom „Focus“ abgesehen) noch nicht gab: Ein e-Paper des SPIEGELs. Und das strotzte heute nur so vor Orthografie-und Satzfehlern.

Und über derlei mag ich in meinem Büro nicht lachen:







(Das einzig Lustige an der - wegen der üblichen Frühjahrsausschreitungen *) auf Samstag vordatierten Ausgabe war Feuilletonkatholik Matthias M. im Ministrantenkleidchen. Sein Todsündenartikel blieb dann leider völlig im Rahmen meiner Erwartungen: zum klickenden Überblättern langweilig.)

*) mit den Eingangsworten dieses Frühjahrsausschreitungsliedchens könnte man auch einen durchschnittlichen MM-Artikel orchestrieren („Sehr viele Menschen finden uns monoton...“)



Sonntag, 14. Februar 2010

100% gelesen: Bevers Globke-Reportage

Jürgen Bevers | Der Mann hinter Adenauer | Hans Globkes Aufstieg vom NS-Juristen zur Grauen Eminenz der Bonner Republik | Berlin | Christoph Links Verlag | 2009 | 240 Seiten | Signatur USB Köln 37A5375

Für den Leser, der über die Anfangsjahre der - je nach Zählung zweiten oder dritten - deutschen Republik wenig weiß, also über Entnazifizierung, „Wiederjudmachung“ (Henryk Broder) oder die üblen Züge einer - von nicht kleinen Teilen des Beamtentums - als CDU-Eigentum begriffenen Staatsordnung, kurz: Wer vom „Adenauer-Staat“ diesseits der DDR-Propaganda nichts weiß, wird hier eine nicht ganz uninteressante Studie in Grau-Braun finden.

Ich bin schon ein bisschen über die ersten 15 Jahre der Bundesrepublik Deutschland (und erst recht über die 12 Jahre vor dem) unterrichtet. In Verbindung mit einem Schreibstil, der doch sehr die Materialherkunft aus der Produktion einer TV-Dokumentation durchscheinen lässt, ergab das vorliegende Buch für mich leider keine sehr spannende Lektüre.

Vermutlich wird mir, mangels wirklich packend neuer Informationen, im Gedächtnis bleiben, dass Hans Maria Globke gebürtiger Düsseldorfer war. Was, boshaftes Denken vorausgesetzt, die klassischen Köln-Düsseldorf-Animositäten auf ein neues Niveau bringt.

Ich finde es ein bisschen schade, dass die Figur Globke hier nicht systematisch eingeordnet wird, sei es in einen mehr kulturgeschichtlichen Kontext der „grauen Eminenzen“, von der Möchtegern-Eminenz Niccolo Machiavelli bis hin zu den noch nicht einmal mehr mediokren SMS-Freundeskreiskreaturen der amtierenden Frau Bundeskanzler.
Oder, was dem Zeithistoriker möglich gewesen wäre: Die Einordnung in die Entwicklung der Parteiendemokratie Westdeutschlands.

Oder, mit mehr Spannung zu lesen, wäre hübsch geraten: eine stärkere Zeichnung von Gegenspielern - es gärt einem ja schon sauer im Kopf, dass „linke“ Intellektualität sich heute mit Kurt Beck oder Joseph Maria Fischer begnügt -, wo es doch einen Adolf Arndt gab., der zu ebenjenen zählte und hier vielleicht trefflich ins Gedächtnis hätte gerufen werden können.

Ich würde jederzeit zumindest die hübsch-böse Adenauer-Biografie von Henning Köhler zum Lektürebeiverzehr empfehlen: Nachdem uns das historische Bewusstsein deutscher Vergangenheit vor 1933 mehr oder minder abhanden gekommen ist, böte es sich dringend an, die vergangenen 60 Jahre stärker zu erschließen - schon damit sich gegenwärtige und künftige Politikergenerationen sich auf höherem rhetorischen Niveau zanken als Philipp Missfelder oder Guido Westerwelle.

(Off topic: FBI-Chefqualitäten scheint der böse Globke nicht gehabt zu haben, denn der erste homosexuelle Außenminister der Bundesrepublik hieß bekanntlich nicht Westerwelle. Ein Hoover war Globke wohl denn immerhin nicht.)

ungehört & boykottiert: Deutschlandradio Kultur, die nächsten 14 Tage

Aus meinem Radio lasse ich nur Deutschlandradio Kultur heraus, gelegentlich (während der kropfnotwendigen Kindersendungen) vielleicht noch den Deutschlandfunk. Dafür gehöre ich zu der aussterbenden Gruppe Radiohörer, die gut und gern 3, 4 oder 5 Stunden täglich gutes Programm annehmen - dabei habe ich gar nicht einmal ein Auto, in dem sich den Programmschemaideologen gemäß wohl der durchschnittliche Hörer gefälligst aufzuhalten hat.

Zu meinem Erschrecken hörte ich vorhin, dass Deutschlandradio Kultur seine Nachrichtensendungen mit Extrameldungen zu den Olympischen Winterveranstaltungen garniert. Von diesem Hormonspritzen-, Eigenblutdoping- und überhaupt kropfüberflüssigen Blödsinn möchte ich aber von Herzen keinerlei Kenntnis nehmen müssen.

Und das Schlimmste: Sondermeldungen mögen ja noch kurz wahrgenommen und dann aktiv überhört werden. Aber ausgerechnet die Bildungsfunker vom Deutschlandradio müssen ihre Olympia-Extras auch noch mit einem Jingle einleiten.

Schande, Schande. Dieser Sender kommt mir in den nächsten 14 Tagen nicht an Ohr.

Samstag, 6. Februar 2010

Wenn schon, denn schon ...

Ich weiß natürlich, dass es sich bei diesem Bild keinesfalls um eine Rehabilitation der fälschlich als irgendwie deutsch-nazi-rechts verschrienen Frakturschrift handelt, schon gar nicht in der Anmtung Schnürsenkelweiß auf kackbraunem Hintergrund, aber bei Tillmann Prüfers Klage über den Verlust seiner Pünktchen im des Deutschen unmündigen Ausland - da juckte es mir gerade etwas in den Fingern.


Dienstag, 2. Februar 2010

Gelesen, aber ungesehen weil offline: Video mit „Wir haben ein Idol, Helmut Kohl...“

Tja: Leider ungesehen. Erinnert sich noch jemand daran, wie die kleinen Tröllinnen und Trölle, Hobbittinnen und Hobbits von der Jungen Union vor gerade mal fünf, sechs Jahren bei ihrem so genannten „Deutschlandtag“ sangen
„Wir haben ein Idol, Helmut Kohl, Helmut Kohl“?
Leider findet sich die Szene, die mir damals ein böses Kichern vor dem Fernsehapparat bescherte, in keinem Video-Verschrottungsportal, das sich googeln lässt.

Wenn jemand diesen Irrwitz auf Video hat: Mal bitteschön ins Netz damit! (Und wenn es der junge Kunstgeschichtsstudent ist, der damals nur mit der JU-angehörigen Jurastudentin Kinder machen wollte und dem sein politisch-sexuelles Intermezzo jetzt peinlich ist: Hier ist Deine Chance, Dich lustig zu machen!)

(Hier zum „Vorwärts und ganz vergessen...“)

Irgendwie habe ich vermutlich gerade gendertechnisch irgendwas velwechsert. Kommt im virtuellen Leben vor.