Dienstag, 12. Januar 2010

Vandalen - Vandalismus im RP-Lokalteil

In Greifswald wird bekanntlich dieser Tage darüber abgestimmt, ob - nach dem jedenfalls juristisch leider unerheblichen Willen der Studenten - die Universtität weiterhin nach dem nationalneurotischen Fremdenhasser Ernst Moritz Arndt benannt werden soll.

Das hat natürlich in den Medien zur blöd verkürzten Frage geführt, ob man Arndt „für die Verbrechen der Nazis“ verantwortlich machen könne, sei der doch bei der Machtübergabe an den üblen Österreicher schon seine 70 Jahre tot gewesen. Gestern war im Radio ein Studenten-Sprecher zu hören, der sich redlich bemühte, den Aspekt zu verschieben: Auf die Frage, ob der Name Arndt nur für heute ein gutes Vorbild sein könne - ohne sich in den Fallstricken historischer Anachronismen bei der Bewertung einer Persönlichkeit verheddern zu wollen.

Das ging mir vorhin durch den Sinn, als ich las, dass ein Lokalredakteur sich frohgemut und ohne Not in einem historischen Anachronismus verstrickte. Sein sprachliches Opfer: Germanen auf Reisen. Ich glaube, den ersten Artikel zur Ehrenrettung der Vandalen, eines wanderfreudigen Stammes zu Zeiten der Völkchenwanderung, las ich vor rund 20 Jahren in der ZEIT: die Mär, dass sie bei ihren Wanderbewegungen veheerend durch die Lande gezogen seien, wurde damals schon ausgeräumt. Das Ding mit dem Vandalismus, das ist eine polemische Äußerung eines französischen Politikers geistlicher Herkunft zu Zeiten der französischen Revolution gewesen, runde anderthalb Jahrtausende also, nachdem die armen Vandalen längt auf dem Index der Gesellschaft für bedrohte Völker hätten landen müssen, ausgestorben wie sie es waren. (Natürlich kümmert sich besagte Gesellschaft eher um diesen albernen Dalai Lama, aber das ist noch weiter vom Thema weg, das hier zusammengerührt wird.)

In jüngster Zeit macht eine Ausstellung in Karlsruhe darauf aufmerksam, dass die armen Vandalen ihren schlechten Ruf welscher Lüge einem französischen Agitprop-Spin-off zu verdanken haben fast möchte man Ernst Moritz Arndt...

Nun lese ich im elektrifizierten Lokaltteil der Rheinischen Post, der sich meiner Herkunftsgemeinde (und der glücklicherweise nicht von Langenfeld okkupierten Nachbarschaft, Monheim) annimmt, dass Vandalen in der Öffentlichkeit Nazi-Schmierereien hinterlassen hätten: Monheim: Einbrecher sprühten Nazi-Symbole auf Pkw (RP ONLINE, 12.01.2010)

Die armen Vandalen. Ihnen wird so schnell keine historiografische Rehabilitationsmaßnahme helfen, solange Lokalredakteure ihren Ruf vandalisieren.




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