Mittwoch, 27. Januar 2010

So, so - Eminenzen gab es also vor Managern...?

Der Erzbischof von München & Freising, Dr. Reinhard Marx, wird heute in der Süddeutschen Zeitung mit der Behauptung zitiert, Bischöfe habe es schon lange vor Managern gegeben.

Wenn ich es recht deute, kommt das Wort „Manager“ vom lateinischen „manus“, also „Hand“. Es wäre also keine allzu willkürliche Übersetzung das englischen „Managers“, ihn mit der Berufsgruppe der „Händler“ zu identifizieren.

Man könnte also schon nach flüchtigem Blick in die Bibel, die radikalprotestantischen englischen Diggers (etwas frei) zitierend, fragen: Als Adam pflügte und Eva spann / Wo war da der Kirchenmann? Oder anders formuliert: Wem begegnete Jesus beim Geldwechseln im Tempel?

Natürlich mag man derartige etymologisch-historische Fingerübungen nicht gegen den kapitalismuskritischen Kirchenmann aus Westfalen verwenden, er hat ja schon genug Kreuz damit zu tragen, Fürst der bayerischen Katholikenprovinz zu sein.

Indes könnte man doch dem Gedanken verfallen, dass das, was man an heutigen Managern kritisiert - nämlich zu weit weg von den im Wortsinne materiellen Dingen des Geschäftsverkehrs zu sein (Münzen, Waren, Maschinen, ihren Knechten, Mägden, neudeutsch: Arbeitnehmern) - eher dem traditionellen Berufsbild des Bischofs anverwandt zu sein scheint, als dem des guten alten Händlers, der seinen beruflichen Erfolg nicht Beziehungsgeflechten innerhalb einer halbkorrupten Infrastruktur (ich denke da an den Untergang des Hauses Quelle) oder einer semitheologischen Phrasenliteratur (ich denke da an Gutteile der betriebswirtschaftlichen Modell-Lehren) zu danken hatte.

Bischöfe sind Manager. Und die besten Manager sind mit der Materie vertraute Händler. So löst sich der episkopale Unfug wohl am ehesten auf. Meint:




P.S.: Warum interviewt die liberale SZ eigentlich den - aller Kapitalismuskritik zum Trotz - stockkonservativen Kirchenfürsten? Man hat doch in den eigenen Redaktionsstuben doch pastorale Eiferer genug.

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