Mittwoch, 6. Januar 2010

100% gelesen: Spinnen & Posner - Klarsichthüllen

Burkhard Spinnen & Eberhard Posner | Klarsichthüllen | Ein Dialog über Sprache in der modernen Wirtschaft | Hanser | München & Wien | 2005 | 201 Seiten

Als einer von der eher kulturpusseligen Sorte Mensch hat man ja durchaus seine Berührungsängste gehabt, bevor einem ein Vertreter dessen, was man bös verengend „die Wirtschaft“ nennt leibhaftig begegnet ist. Dann merkt man, dass nicht nur von General an aufwärts der gemeine Soldat ein brauchbarer Mensch ist, sondern beispielsweise auch mit dem Mitarbeiter eines Consultingunternehmens angenehme Gespräche geführt werden können.

Burkhard Spinnen, promovierter Germanist und schöngeistiger Schriftsteller, hat diese Erfahrung schon vor längerer Zeit gemacht und verziert nun die deutsche Publizistik mit einem ums andere Werk, das sich dem annimmt, was - wie gesagt: meist verkürzt - als die Wirtschaft bezeichnet wird. Seine gesammelten Wirtschaftsprachglossen „Gut aufgestellt“ kann ich denn auch nur wärmstens empfehlen, sein „Der schwarze Grad“ liest sich nur behaglich, wenn man - wie dies bei mir als Sparkassenzögling ja ohne weiteres der Fall ist - eine gewisse Affirmation zum Mittelständischen vorhanden ist.

Im vorliegenden Band geben sich Spinnen und der langjährige Chef der Siemens-Unternehmenskommunikation, Eberhard Posner, gegenseitig das Wort zu verschiedenen Aspekten „der Wirtschaft“, beispielsweise zur Verantwortung des Managements oder der Rolle des Flurfunks. Spannend hätte ich etwa eine sardonische Zwiesprache über die deutsche Wirtschaftspresse gelesen, aber mit der wollten es beide wohl nicht verderben.

Beim Einscannen des Buchdeckels bemerkte ich erst die Bildsprache: Luftballon trifft auf Kaktus. Das hat sich dieses Buch leider nicht verdient - hätte es vielleicht, mit Themen wie dem soeben als ausgespart erwähnten.

So ist es doch recht brav. Mir war es recht behaglich zu lesen, ein Disput zwischen, sagen wir: Niklas Luhmann und Milton Friedman in der Hölle, hätte mich mehr gereizt, als es die braven Ballzuspielereien zwischen ökonomisch interessiertem Schriftsteller und nicht unschöngeistigem Unternehmenskommunikator vermochten, gleichwohl bleibt das gesunde Fazit: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“








P.S.: Falls hier jemand mitliest: Leider habe ich ja zum Jahreswechsel quasi das Gelübde abgelegt, 2010 kein Buch zum Eigenkonsum zu kaufen. Daher wäre es natürlich nett, würde sich jemand durch den Button „Alle Wünsche...“ anregen lassen.

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