Donnerstag, 5. November 2009

70-100 Prozent gelesen Wessen Freund, wessen Helfer?


Mit der NS-Geschichte Kölns habe ich mich bisher kaum, schon gar nicht systematisch befasst. Immerhin hat dies die Polizei getan - leider nicht durch Ermittlungsverfahren zu Zeiten, in denen man Tätern noch hätte habhaft werden können, aber immerhin mit einem historischen Werk, das sich mit der eigenen NS-Verstrickung befasst. „Verstrickung?“ - vielleicht ein schwacher Begriff, denn in vielem war die Polizei Fleisch vom Fleische des NS-Staats.

Wie in anderen Bereichen der deutschen Gesellschaft vor 1933 - man denke etwa an so genannte „eugenische“ Ansätze unter Medizinern, ja sogar katholischen Theologen - wurden auch in der Polizei Ansätze, die bereits vorhanden waren, radikalisiert und auf mörderische Weise umgesetzt, sobald das Placet von Seiten der Staatsführung gekommen war. Für die Polizei waren dies vor allem etwa Möglichkeiten der so genannten (spezial-) präventiven Verbrechensbekämpfung, die auch in Köln hunderte von - überwiegend wohl völlig harmlosen - Menschen als potenzielle (Berufs-) Verbrecher ins KZ brachten. (Vor 1933 polizeilich gewünscht, zwischen 33 und 45 in die mörderische Praxis umgesetzt - nachgeträumt von einer SPD-„Mutter des Grundgesetzes“.)

Die Reproduktion von amtlichen Dokumenten aus der NS-Zeit wecken im vorliegenden Band Erschaudern, man beachte die Wortwahl im oben abgebildeten Ausriss - um so ärgerlicher ist es, wenn dabei (siehe oben Rotmarkierung wegen fehlender Schwärzung) nicht sorgfältig gearbeitet wurde. Arge Typografiefehler sind mir in dem Buch auch ins Auge gesprungen.

Insgesamt aber, trotz mancher handwerklicher Schwächen, ist dies wohl ein tragendes Werk zur gar nicht lieblichen kölschen Heimatgeschichte:
Harald Buhlan & Werner Jung
Wessen Freund und wessen Helfer?
Die Kölner Polizei im Nationalsozialismus
Köln (Emons) 2000
675 Seiten
Stadtbibliothek Sig. Ncm 3 (Mülheim)
--- Martin Rath, Schnellbesprechung ---













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