Montag, 3. August 2009

Seite 123 Deutsche Richterschaft 1919-1945 von Ralph Angermund

Ralph Angermund | Deutsche Richterschaft 1919-1945 | Frankfurt am Main | Fischer | 1990 | 281 Seiten | in meiner Bibliothek seit dem 15. Mai 1996

Das Verfahren, den vierten Satz von der 123-sten Seite zu zitieren, bringt manchmal hervor, was für ein ganzes Buch steht. Hier ist das der Fall:
Das Landgericht Köln entschied am 11. Mai 1938 in einem dieser Fälle, daß deutschen Mietern eine Hausgemeinschaft mit Juden nicht zuzumuten sei.
Nach 1945 gehörte es zur kaum mehr zu überbietenden Perfidie deutscher Juristen, dem angeblichen Positivismus der Richerschaft anzulasten, dass diese den gesetzten - also so genannt „positiven“ - Normen des NS-Legislativapparats blindlings Gehorsam gezeigt hätten.

Angermund zeigt - auch an der genannten Stelle -, dass die Juristen vor 1945 durchaus weit über die Perfidie der NS-Legislatur hinausgingen. Zum Beispiel durch den Ausschluss jüdischer Juristen, weiter noch als es die rassistische Gesetzgebung ohnehin schon vorgesehen hatte.

In Köln stolpert man heute über die Gedenksteine, die auch an die Opfer der oben zitierten Bösartigkeit in juristischem Gewande erinnern.
Dass man seinerzeit etwa in rechtshistorischen Vorlesungen über treffende Aussagen zur braunen Rechtsgeschichte gestolpert wäre, daran kann ich mich nicht erinnern.









Kaum zu überbieten, ich vergaß es oben zu notieren, war das eingangs erwähnte Argument deshalb, weil der Umbau zur Grundgesetzkonformität der Rechtsordnung auch durch eine Abkehr von einer positivistischen Methodenlehre erfolgte, die doch eigentlich dem Demokratiegedanken - der wortlautnahen Umsetzung demokratisch und legal zustandegekommener Gesetze - viel eher entspräche als das hM- und Hermeneutikorakel der real existierenden Justiz.

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