Samstag, 20. Juni 2009

100% und schnell gelesen | Rita Wagner | Cöln. Die sozialen Verhältnisse um 1900

Rita Wagner | Cöln. Die sozialen Verhältnisse um 1900 | Köln | Emons Verlag | 1989 | 124 Seiten | Signatur Stadt-Bibliothek Köln-Mülheim Ncq Wagner

Kurze, kackige Auskünfte zur sozialen Lage in Köln um die vorletzte Jahrhundertwende herum. Elend, Ungleichheit und andere Voraussetzungen für die pathologische Form der Modernisierung, die eine Generation später stattfand. Allerdings: Letztere ist hier kein Thema.

Man wünschte sich noch weit mehr Detailinformationen, konstatierte Wagner 1989, dass wirtschaftliche und soziale Kenntnisse von Stadt und Region dünn gesät seien. Spannend ist das ja, beispielsweise S. 59 ff. zitierend:
Krankheiten wie Lungentuberkulose und Infektionen der Atemwege (z.B. Lungenentzündungen) traten bei Erwachsenen als häufigste Todesursachen auf. Die Lungentuberkulose wird oft als Geißel dieser Zeit bezeichnet, nachdem die Epoche der großen Seuchen in Europa vorüber war. Besonders betroffen waren Arbeiterviertel. In Köln wurde die Tuberkulose vorwiegend in Ehrenfeld und Nippes sowie in LIndenthal mit seiner Krankenheilanstalt beobachtet. Ehrenfeld nahm auch einen Spitzenplatz bei den g e w a l t s a m e n T o d e s f ä l l e n ein: Von 1087 gewaltsamen Toden zwischen 1906 und 1910 entfielen allein zehn Prozent auf diesen Vorort.
Das sind bei der Lektüre von Zufallsfunden wie diesen - aus der Stadtteilbibliothek in Mülheim - gerade diese hübschen Nebenbemerkungen, Zufallsfundnebenbei, die sie lohnen:

Wie viele gewaltsame Todesfälle wird die Stadt Köln wohl in der Periode der Jahre 2006 bis 2010 zu verzeichnen haben? 2.174 vielleicht - Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung, der inzwischen verdoppelten Bevölkerungszahl angemessen? (Eigentlich müsste die „Hochrechnung“ noch grässlicher ausfallen, enthält die ältere Zahl ja wohl die damals noch selbständigen Ortschaften Mülheim am Rhein und Porz noch nicht.)

Nein, 2.174 Mord- und Totschlagsfälle wird die Kriminalstatistik für Köln - 2006 bis 2010 - nicht ausweisen. Weil unsere Gesellschaft eben nicht immer krimineller wird, sondern eher friedlicher geworden ist.

Aus diesen Zahlen kann man sich also durchaus einen Knüppel schnitzen, den man rechtskonservativ-reaktionären Herren aus dem politischen Betrieb gerne um die Ohren hauen darf. Natürlich rein virtuell.






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