Donnerstag, 14. Mai 2009

100% gelesen: Robert Harris Ghost

Robert Harris | Ghost | RM Buch und Medien | oO | 2008 | 399 Seiten

So eine Art Vorgänger des gegenwärtig in Großbritannien amtierenden Premierministers Gordon Brown lässt an seinen Memoiren arbeiten, der Ghostwriter wird tot aufgefunden. Der Roman ist aus der Perspektive des zweiten Ghosts erzählt, der mit viel Geld geködert wird.

Bis kurz vor Schluss wird der Verdacht genährt, Ex-Premierminister Adam Lang, der nicht nur der US-Nahost-/-Kriegspolitik pudelhaft gefolgt war, sei zu allem Überfluss auch noch in den punksozialistisch-anachronistisch-anarchistischen 1970er-Jahren (also vor der Eisernen Thatcher) von der CIA angeworben worden. Dann gibt es noch eine kleine, überraschende Wendung - und der literarisch erfolgreiche Ghostwriter muss nun tatsächlich um seine physische Existenz bangen.

Dieses Ende - ein halbwegs sympathischer „Held“ wartet eigentlich nur noch auf seine Ermordung von staatlicher oder mafiöser Hand - kennt man bei Robert Harris von seinem Roman „Vaterland“. Ein Happyend sieht anders aus.

Vermutlich werden mir zwei Dinge nach der Lektüre, die ich gestern nach kurzem Prozess abschloss, zwei Dinge haften bleiben:
  • Eine unkenhafte Vermutung: So böse, wie der britische Journalist und Schriftsteller Robert Harris hier mit Tony Blairs Doppelgänger umspringt, wird vorläufig wohl kein deutscher Kollege mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder ins literarische Gericht gehen, obwohl dessen Nähe zur Ex-KGB-Nomenklatura des heutigen Russland leichter zu belegen ist, als etwaige CIA-Kontakte britischer Politiker der 1970er- bis 1990er-Jahre. Mit einiger Begeisterung las ich im „Merkur“ und dann in seinem Blog den bissigen Beitrag von Edward Lucas, auch zu diesem Treiben des sogenannten Sozialdemokraten.
  • Eine schlichte Tatsache: Wie viele Leibwächter hatte Winston Churchill, wenn er während des Zweiten Weltkriegs von der N° 10 zum Parlament ging? 15, 20, 25 ...? Oder vielleicht: einen? Ein einziger Polizeibeamter! - Man vergleiche das mit der Abschottung heutiger Politiker, dann weiß man, dass mit der Welt heutzutage etwas nicht mehr stimmt.










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