Freitag, 10. April 2009

Horst Eckerts Königsallee | 100% gelesen

Horst Eckert | Königsallee | Dortmund | Grafit | 2007 | 411 Seiten | Stadtbibliothek Köln-Mülheim | Sig. U Eckert, Horst

Ich bin kein notorischer Krimi-Leser; dass mir seit einigen Wochen viele Romane dieser Gattung unterkommen, hat vor allem mit dem Bedürfnis nach leichter Einschlaflektüre zu tun.

Für eine ausführlichere Auseinandersetzung mit Horst Eckerts „Königsallee“ lesen Sie bitte hier weiter. Das Bild oben habe ich auch von dort herzitiert.

Der verlinkten Kritik kann ich mich weitgehend anschließen. Problematisch an diesem Plot, der im Politik-Gruppensex-Polizei-Millieu der nordrhein-westfälischen Provinzialhauptstadt Düsseldorf angesiedelt ist, schienen mir einige Punkte:
  • Die *Tochter des zum Landesinnenministers auserkorenen Richters Andermatt (?) prostituiert sich in der Drogen-/Disco-Szene der Landeshauptstadt, wovon der juristische Scharfmacher erst infolge eines *Express-Artikels Wind bekommt. Während meiner Schulzeit in Düsseldorf habe ich von der dortigen Drogenszene glücklicherweise nicht mehr mitbekommen als: a) kiffende Kommilitonen und b) das starke Gerücht ihrer Existenz. Vor allem aber war, für mich als 1-A-Landei, immerhin mitzubekommen: Düsseldorf ist klein genug, damit sich ein Skandalon von der gigantischen Größe einer borderline-gestörten, harte Drogen und Gruppensex konsumierenden *Tochter eines realen „Richters Gnadenlos“ schneller herumgesprochen hätte als ein Papstbesuch im Beate-Uhse-Laden am Hauptbahnhof. Dieser Teil des Plots scheint mir nicht plausibel - und es ist ein durchaus tragender Teil.
  • Den von Horst Eckert porträtierten Oberbürgermeister der Provinzialhauptstadt Düsseldorf empfand ich weniger als „holzschnittartig“ gezeichnet, denn schlicht als unglaubwürdig: Dass man sich einen Oberbürgermeister von Düsseldorf als überaus eitles, verlogenes und semi-korruptes Arschloch vorstellen kann, das liegt zwar außerhalb jeder gottgewollten Realität, aber man kann es sich doch immerhin spaßeshalber einmal so ausmalen, wie es Eckert hier getan hat. Meinen Glauben an die politischen Qualitäten seines fiktiven Oberbürgermeisters Dagobert Kroll verlor ich jedoch in einer Szene, in der sich seine (vertraute) Spitzen-Mitarbeiterin Simone Beck (halbwegs intelligent, 180-prozentig scharf, wie eine OB-Kofferträgerin halt sein soll) gegen den Vergewaltigungsversuch durch den Bodygard eines mit Kroll politisch befreundeten russischen Mafiahäuptlings zur Wehr setzt. Kroll weist seine Frau Beck zurecht. Das heißt: Kroll ist gar kein richtiger Politikmafioso, hat weder seinen Machiavelli noch seinen Sunzu gelesen. Als solcher hätte er nämlich sein hyperloyales „Gang-Mitglied“ Simone Beck schützen und wegen des Übergriffs vom Russenmafia-Paten Kompensation verlangen müssen.
  • Die Figuren Dr. Edgar Reuter (Bruder des ermittelnden Kommissär & als Jurist mafia-affin) sowie des Consultants Ulrich Lohmar und auch leider die Showdown-Szene mit brennender Hafen-Hütte, Teil ausdrücklichen Autorenstolzes, waren doch etwas flach.
  • Eine Löstung wäre wohl ein starker Pro-/Antagonismus gewesen: Jewgeni vs. Jan. Springt aber zu viel sonstiges Personal herum.
Aber bei aller Krittelei: Die rund 400 Seiten sind flugs gelesen. Das Buch ist schon spannend und, wenn man den Suspense beim unerwarteten Auftauchen des Wortes „Einstein“ überliest, sogar bis zum Schluss gar nicht vorausberechenbar.

Lese gerade: Der Provinzialhauptstadtsoberbürgermeister scheint in der Realitiät noch politikaverser gewesen zu sein, als es der fiktive ist. Links hier, hier & dort.

Wie gut, dass ich mein bürgerliches Leben hier zubringe, wo Politik von kompetenten Stadtoberhäuptern gemacht wird:






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