Donnerstag, 2. April 2009

Günther Anders' rabenschwarze Vergnügungen

Günther Anders | Ketzereien | München | Beck | 1991 | 358 Seiten | e: 21.04.1995

Nicht erst aus dem Vergleich mit den systemphilosophischen Arbeiten von Günthers sticht dieses aphoristische Werk von Günther Anders hervor: finstere Gedanken, bissig präsentiert - das bereitet mir recht großes Vergnügen.

Eine Notiz, die mir damals vor 14 Jahren offenbar sehr gut gefallen hat, lautet:

Zoo Schönbrunn
Wir Menschen - die Juden unter den Tieren. Und manche von ihnen werfen uns tatsächlich unverhohlen antisemitische Blicke zu. Namentlich wenn wir miteinander sprechen. Dann hassen sie uns so, wie Analphabeten den Anblick Lesender hassen. (p. 255)
Doch kommen wir zum üblichen Zitat, Satz 4 von Seite 123:
„Du glaubst also nicht, daß die Philosophie an die Stelle der Religion getreten sei?“
Diese mündliche Rede stammt aus einem mehrseitigen Lehr-Dialog; das sind die etwas langatmigeren Seiten des Buches, auf denen sich Günther Anders - sehr, sehr freundlich ausgedrückt: - sehr, sehr naseweis ausbreitet. Aber selbst in diesen schroffen Texten finden sich Zitatperlen:
In den Augen von wirklich Gläubigen ist ein Moralist ohne Gott immer noch besser angeschrieben als ein Amoralist mit Gott.
Da ich von jeher zum konfliktscheuen Gesindel zähle, ist meine Haltung zur Moralistik natürlich agnostisch. Aus dem Buch fiel mir eine Karte entgegen, die mich daran erinnert: Damals lief mir doch tatsächlich einmal bei einer passenden Gelegenheit eine blonde Bestie über den Weg, das letzte Mal in Friedenszeiten:
Unmoralisch ging es damals leider nicht zu. Blicktechnisch bekäme ich von der Dame heute, so darf ich vermuten, gleichwohl einen tierischen Blick, wenn überhaupt.



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