Mittwoch, 18. März 2009

Selten so etwas aufgelasenes gelesen: Matthias Matussek | Wir Deutschen

Matthias Matussek | Wir Deutschen | Warum uns die anderen gern haben können | Frankfurt am Main | Fischer | 2007 | 352 Seiten | e: 18.02.2009 für € 2,95


„Zu Hitler fällt mir nichts mehr ein.“
(Karl Kraus) - Was aber fällt mir zu Matthias Matussek ein? Gehen wir unsystematisch vor, schreiben wir eine Liste:

  1. Am 9. März 1804 sah man im thüringischen Provinzstädtchen Weimar folgende Szene: Der Geheimrat Goethe jagte, seinen Sparzierstock überm Kopfe schwingend, den rachitisch keuchenden Fritz Schiller durch die klammen Gassen, leicht hesselnd ausstoßend: „Sauschwab, Sauschwab, dreckerter ... Von wääschen, saaaber, die Schwaben ...!“ - Im SPIEGEL-Interview mit Matthias Matussek erklärte Goethe Jahrzehnte später zu dieser von der Germanistik noch nicht dokumentierten Szene im Frühjahr '04: „Mein lieber Herr Doktor Matuussek, ich wusste doch damals schon, dass Sie, hochwürdigster Herr & Gebieter aller deutschen Künste einst auf diesem Wege zu mir finden könnten. - Da konnte ich doch nicht zulassen, dass dieser Schiller jene Straße mit seiner Sputum spuckenden Gegenwart befleckte, auf die Sie - hochgelahrter Doktor Matussek - dermaileinst Ihre durchlauchtigsten Füße setzen würden.“ - Selbstverständlich konnte sich Matthias Matussek mit dieser Erklärung zufriedengeben, doch das erst, nachdem der alte Geheimrat Seiner - Matthias Matusseks - Größe entsprechend - IHm seine Bitte um Pardon proskynierend unterbreitet hatte.
  2. Als gott der herr zu flüstern wagte „Es werde Licht!“ hieb ihm MAtthias MAtussek auf die Finger und sprach mit Donnerschall: „Feuer, Schere, Licht sind deine Sache nicht, du Wicht! - Sondern wie man weiß: Meine!“
  3. Dem Herrn Doktor Matthias Matussek als Feuilleton-Chef des Magazins DER SPIEGEL zu kündigen, wie unlängst geschehen: Ich hätte das nicht gewagt. - Manche Menschen wirken so, als könnten sie sich etwas antun, wenn man ihre Größe wieder auf Normalmaß bringt.
  4. Irgendwie drängte sich mir während der flüchtigen Lektüre, ohne dass ein solcher sexueller Anhaltspunkt im Buch zu finden wäre, das Bild eines größenwahnsinnigen männlichen Pubertierenden vors innere Auge, der - wie Immanuel Kant das wohl formuliert hätte - „Hand an sich legt“. Will damit nun nicht behaupten, dass ich Matthias Mattussek für einen solchen hielte oder auch nur in die Nähe rücken wollte. Nur bin ich ja, laut Professor Georg Christoph Lichtenberg und Doktor Sigmund Freud, nicht verantwortlich für meine freien Assoziationen. Also kann es kaum schaden, sie als Warnhinweis hier einmal zu dokumentieren.
Nein, mit dem vorliegenden Buch konnte ich nichts anfangen. Gelesen habe ich es vor dem Weglegen vielleicht zu einem Drittel. Um mich hier nicht weiter damit aufzuhalten, es hat mich ja schon gestern das Viertel eines Tages gekostet, möchte ich mein Urteil in zwei Wörtern zusammenfassen: „Völlig aufgeblasen!“.

Allein schon der Eindruck, dass ein gestandener SPIEGEL-Redakteur seine Eitelkeit damit schmückt, prominente Personen (Harald Schmidt, Sarah Kuttner, Peter Sloderdijk) interviewt zu haben! Quod licet bovi, non licet Jovi. Und was hätte ich zum Beispiel aus dem verblasenen Peter Sloderdijk die Luft herausgelassen ... Statt noch mehr hineinzupumpen!

Lassen wir das und gehen über zu guten Taten:


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