Montag, 16. März 2009

Reichlich unglaubwürdiger Krimi

Joachim Grintsch | Freier Fall | Oldenburg | Schardt Verlag | 2006 | 238 Seiten

Nicht alles an einem Plot muss glaubwürdig sein, das weiß man vom Erfolg von Filmen wie „Forrest Gump“ oder der Karriere Bill Clintons - ja, in diesen und anderen Fällen kann ein dramatischer Kern an offenkundigem Unfug geradezu eine Geschichte oder einen Lebenslauf tragen. Aber bitte nicht so, wie in diesem Köln-Krimi.

Im Mittelpunkt der Handlung steht ein schwerst alkoholabhängiger Kommissar der Kölner Kriminalpolizei, der von einer Prosituierten - Kollegin einer ermordeten Frau - erst zum Entzug, dann zur Under-Cover-Ermittlung animiert wird. Hier geschieht ein erstes Wunder: der süchtige Kommissar entzieht - fast mal eben so - von 3 Flaschen Branntwein täglich quasi von hück up morje & stürzt sich sogleich - zweite Unglaubwürdigkeit - in die private Ermittlung. Wäre dieses Wunder hier geschehen, der fromme Dr. Manfred Lütz hätte in Rom einen Fall zur Heiligsprechung vorzutragen.

Im Zug seiner Ermittlungen findet Kommissär Roland heraus, dass sein Kollege Ötztürk mit einer sadistischen Prostitutionsmanagerin konspiriert, gerät selbst auf die Fahnungsliste, kommt von der Fahndungsliste justament in dem Augenblick wieder herunter, in dem die wahre Mörderin (ein 13-jähriges Täter-Opfer-Kompositum) ihn samt seiner Interimsgeliebten mit Benzin verbrennen möchte. Et cetera.

Das liest sich zwar flott und vertreibt für einen Nachmittag auch die Langeweile. Das ist sogar besser als ein durchschnittlicher deutscher Fernseh-Krimi. Vielleicht liegt's ja auch nur daran, dass Lektüre doch ein bisschen mehr fordert als die Glotze: Mir kam's schließlich ein bisschen zu blöd vor, vermutlich, weil man auch flotte Bücher mehr durchdenkt als televisionäre Tatorte.


Aber bitte, was soll ich jetzt von Professor Rolf B. denken?





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