Freitag, 20. März 2009

Günther Anders Antiquiertheit des Menschen 1 | Satz 4 von Seite 123

Günther Anders | Die Antiquiertheit des Menschen 1 | Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution | München | Beck | 1992 (= 7. Auflage) | 353 Seiten | e: 25.10.1993

Vorhin hatte ich mir vorgenommen, zu Günther Anders ungefähr das Folgende zu bemerken: „Der alte Pessimist, kein Wunder, dass du den mit Anfang 20 toll fandest - so schwarz wie du damals gesehen hast ...“ - und ihn damit gleichsam selbst in die (antiquierte) Ecke zu stellen.

Bevor ich diesen Vorsatz umsetzte, guckte ich aber in mein E-Mail-Postfach, dessen Anbieter auf der Startseite stets Meldungen von absoluter Dämlichkeit feilbietet. Ob die Firma jemals bemerkt, dass ihre Kunden das als intellektuelle Beleidigung empfinden? Meldungen wie diese hier, als vermeintlich dem Publikumsgeschmack entsprechend aufs Auge gedrückt, machen es mir schwer, Günther Anders einfach so mit dem Zitat von Seite 123 ins Eck zu stellen:
Aber dieses Prinzip ist ein Mißverständnis der Praxis; in gewissem Sinne wird heute jeder Leser, Radiohörer, Fernsehkonsument, Kulturfilmbesucher in ein vulgäres double des Wissenschaftlers verwandelt: auch von ihm erwartet man, daß ihm alles nun gleich nah und fern sei - was zumeist freilich nicht bedeutet, daß er nun jeder Entscheidung das gleiche Recht auf Erkanntwerden zugestehen solle, sondern das gleiche Recht auf Genossenwerden.
Hier zieht Günther Anders wider die objektivierende Haltung des Wissenschaftlers vom Leder. Weiß der Teufel, was er über Schlagersängerinnen zu sagen gehabt hätte, die Meldungen wie die oben verlinkte in die Welt ziehen lassen.

Dann mal lieber ganz schnell noch etwas zur fiesen Double-Werdung beitragen:





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