Mittwoch, 4. März 2009

amnesty international | Bericht über Folter | Satz 4 von Seite 123

amnesty international | „Wer der Folter erlag ...“ | Ein Bericht über die Anwendung der Folter in den 80er Jahren | Frankfurt am Main | Fischer | 1985 | 335 Seiten | e: 13.11.1987

In meinem Katalog ist dieses von amnesty international herausgegebene Buch der Anführungszeichen wegen an erste Stelle gerückt, morgen geht es alphabetisch geordneter weiter.

Beim erneuten (Quer-) Lesen graben sich Fragezeichen in den Kopf. Das englische Original erschien Mitte der 1980er-Jahre. Seither wird sich vor allem in dem Teil Europas sehr viel getan haben, was das Verbot der Folter betrifft, der sich der Europäischen Union anschließen konnte. In der damals noch real existierenden Sowjetunion wurden Dissidenten noch in Psychiatrien misshandelt, unabhängig davon, ob sie krank waren oder nicht. Unter dem „lupenreinen Demokraten“ Putin scheint die russische Staatsgewalt nicht mehr zu solchen Mitteln zu greifen. Stattdessen werden Oppositionelle gleich getötet.

Wie man hört, ist das überhaupt ein Trend der totalitären Staatsgewalthaber auf diesem Planeten: Verschwindenlassen, heimliche Tötung - nur keine Märtyrer für eine gelegentlich wach gewordene Weltöffentlichkeit schaffen.

Für eher geordnete Machtverhältnisse geschrieben ist daher auch Satz 4 von Seite 123, ein Vorschlag zur Verhütung von Folter, gültig für Polizei-, Gefängnis- und andere freiheitsentziehende Verwaltungen, die sich wenigstens halben Weges dem Ideal des Rechtsstaates verpflichtet sehen:
Angehörige von Sicherheitskräften, gegen die wiederholt Beschwerden wegen Mißhandlungen eingereicht wurden, sollten unter Vorbehalt in Aufgabenbereiche versetzt werden, in denen sie nicht direkt mit Verhaftungen oder mit der Bewachung oder Vernehmung von Häftlingen zu tun haben.
Konsequentes Handeln der Aufsichtsbehörden, so möchte ich mit einigem Frühstückssarkasmus sagen, letztlich sogar Geld sparen. Von solch freundlichen Nebenwirkungen wie dem Erhalt menschlichen Lebens und körperlicher Unversehrtheit und sekundären Dingen wie dem guten Ansehen einer wohlgeordneten Polizei einmal ganz abgesehen.






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