Freitag, 27. März 2009

100% ungelesen bleibt: Prechts Liebesdenken

Eingestanden, auf den Gedanken mir dieses Buch anzuschaffen, kam ich nur dadurch, dass ich noch die eine oder andere Kaufverpflichtung in meiner erst zum Jahresende auslaufenden Buchclub-Mitgliedschaft zu erfüllen habe.

Denn von der Lektüre von Prechts Philosophieschmöker ist mir kein einziger überraschender Gedanke im Gedächtnis haften geblieben, keinerlei neue Lust mich mit einer noch neuen philosophischen Schule zu beschäftigen ward geweckt worden - kein gutes Ergebnis für einen populären Philosophie-Aufriss.

Heute las ich im Magazin des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein Interview mit Richard David Precht, das wohl zur Absatzförderung seines neuen Buches dienen soll. Trotz meiner Sorge, dass mir nun gar kein anderes Buch in meinem Club gefallen könnte, hat das Interview - genauer gesagt: eine Einzelaussage - meinen rudimentären Kauftrieb sofort erlahmen lassen. Ich darf zitieren. Auf die Frage der KStA-Journalistin Alice Ahlers, welche sexualpraktischen Konsequenzen das Postulat Prechts habe, unsere Liebesvorstellungen richteten sich in der Gegenwart vornehmlich an Kino-Phantasien aus, antwortet der Meisterdenker:
Wir gucken uns Rollenverhalten in Filmen ab. Diese richten aber die Sexualität nicht nach dem Leben aus, sondern danach, was filmisch gut aussieht. Die Frau sitzt oben, stöhnt zur Decke und wirft die Haare in den Nacken wie bei der Eispickel-Nummer in „Basic Instinct“. Zu Beginn der 90er Jahre war es bei Frauen unheimlich „in“, sich so zu verhalten. Ich halte das nicht für ein arttypisches weibliches Verhalten.
Mir fehlt es an schlüpfriger Phantasie, mir die empirische Herleitung dieses Denker-Statements auszumalen. Oder doch zumindest der karnevalistische Humor. Was aber gar nicht geht, sind gar so schlicht biologisch hergeleitete Aussagen humanethologischer Qualität wie im von mir oben unterstrichenen Satz.

Von einem Philosophen, den ich mit Gewinn lesen möchte, erwarte ich jedenfalls weniger kurzschlüssiges Dogmatisieren.


Wie meschugge die US-amerikanische Dialektik von brüllender Prüderie & notorischem Exhibitionismus ist, konnte ich bei dem - dank blogger.com-Zensur vergeblichen - Versuch feststellen, hier ein Beispiel-Video aus dem von Herrn Precht zitierten Film einzubinden. Allein schon diese Meschuggizität beweist, wie offen menschliche Verhaltensoptionen sind. (Und abgesehen davon, dass ein Videozitat eines harmlosen Fruchtbarkeits-Tänzchens von Sharon Stone um Michael Douglas hier nicht gebracht werden kann: Wer zum Teufel hat eigentlich Michael Douglas zum Prototypus des männlichen Mannes verklärt?)

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